Auszug - Bericht des Kreisjägermeisters  

Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit
TOP: Ö 5
Gremium: Ausschuss für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit Beschlussart: (offen)
Datum: Mi, 09.06.2010 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 15:00 - 17:40 Anlass: Sitzung
Raum: Feuerwehrtechnische Zentrale Barrien
Ort: Bremer Straße 39, 28857 Syke
 
Wortprotokoll

Wortprotokoll:

Herr Kreisjägermeister Dr. Reeßing gibt einen Bericht über die aktuellen Themen in der Kreisjägerschaft im Landkreis Diepholz. Hierzu macht er im Einzelnen Ausführungen zu den nachfolgenden Themen.

 

 

a.) Damwild

 

Herr Dr. Reeßing berichtet, dass der Damwildbestand in seinen Kerngebieten, insbesondere in der Region Bassum/ Twistringen/ Harpstedt, in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hat. Als Konsequenz hieraus ist das vermehrte Auftreten von Wildschäden in Feld und Wald zu beobachten.

 

Die Höhe des Abschussplans wurde daher im Einvernehmen mit den betroffenen Parteien aus Landwirtschaft, Jagd und Forst um 20% von 361 Stück auf 440 Stück erhöht.

 

 

b.) Jungjägerausbildung/ Jungjägerprüfung

 

Herr Dr. Reeßing informiert über die Durchführung der Jungjägerausbildung und Jungjägerprüfung. Er gibt einen Einblick in prüfungsrelevante Themen und erläutert, dass die Jagdscheinanwärter neben Kenntnissen in der Jagdausübung auch in den Bereichen Natur- und Tierschutz, Jagd- und Waffenrecht sowie Veterinärrecht und Wildbrethygiene (Fach-) Kenntnisse nachweisen müssen.

 

Im Jahr 2010 nahmen 49 Prüflinge an der Jungjägerprüfung teil. 41 Teilnehmer konnten die Prüfung erfolgreich ablegen. Diese Zahl zeugt von einer sehr guten Jungjägerausbildung durch die jeweiligen Ausbilder. Die Prüfung findet an drei Tagen statt und unterteilt sich in Schießen, eine schriftliche Prüfung sowie die mündlich-praktische Prüfung.

 

Die Vorbereitung der Jagdscheinanwärter erfolgt in drei parallel durchgeführten Jungjäger-kursen. Die Vorbereitungskurse dauern jeweils ein halbes Jahr.

 

 

c.) Verkehrsunfälle mit Wild

 

Herr Dr. Reeßing berichtet, dass die Verkehrsunfälle mit Wildbeteiligung im Landkreis Diepholz der Jägerschaft sowie der Polizei erhebliche Sorgen bereiten. Im Jagdjahr 2009/2010 gab es insgesamt 1.591 Unfälle mit Beteiligung von Schalenwild (Damwild, Schwarzwild, Rehwild) mit teils erheblichen Sachschäden. Dieses entspricht einem Anteil von 28,42 % der Jahresstrecke.

 

Herr Dr. Reeßing teilt weiterhin mit, dass das Unfallgeschehen zur Zeit gemeinsam mit der Polizei, räumlich und nach Tierarten unterschieden, statistisch aufbereitet wird. Im Anschluss sollen Maßnahmen zur Vermeidung dieser Unfälle entwickelt werden. Diese Maßnahmen könnten z.B. eine spezielle Art von Beschilderung, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Maßnahmen in der Straßenführung (Verbreiterung der Wegeseitenräume, entfernen von dichtem Bewuchs am Straßenrand oder Bau von Wildzäunen) sein.

In Bezug auf die Unfallaufnahme und die Entfernung des verunfallten Wildes vom Unfallort teilt Herr Dr. Reeßing mit, dass dieses durch den jeweiligen Revierpächter geschieht. Bei der Polizei sind die Ansprechpartner bzw. Revierpächter der einzelnen Jagdreviere bekannt und werden von hier aus über das Unfallereignis benachrichtigt.

 

 

d.) Jagdsteuer

 

Herr Dr. Reeßing bezieht sich nochmals auf die Verkehrsunfälle mit Wildbeteiligung und weist an dieser Stelle darauf hin, dass aufgrund der kostenlosen Beseitigung des verunfallten Wildes durch die Revierinhaber eine erhebliche Arbeits- und Kostenentlastung für die Polizei und die Straßenverkehrsbehörden entsteht.

Er führt beispielhaft eine Untersuchung des Landkreises Hameln an, wonach für eine Fremdentsorgung von Verkehrsunfallwild Kosten von ca. 120 Euro pro verunfalltem Stück Wild entstehen. Betrachtet man an dieser Stelle die aktuellen Fallwildzahlen, so würde eine Fremdentsorgung für den Landkreis Diepholz Mehrkosten in Höhe von ca. 190.000 Euro pro Jahr verursachen. Dabei wäre noch ein Nacht- und Wochenendzuschlag zu berechnen.

Herr Dr. Reeßing weist darauf hin, dass sich die Mehrheit der Wildunfälle im Landkreis Diepholz in den Nachstunden oder am Wochenende ereignen.

Herr Dr. Reeßing äußert an dieser Stelle die Meinung, dass die Revierinhaber für die Ausübung dieser unentgeltlichen Tätigkeit durch die Erhebung der Jagdsteuer „bestraft“ werden und regt an, eventuell einen Teil der Jagdsteuer den Revieren zur Durchführung von biotopverbessernden Maßnahmen zur Verfügung zu stellen.

 

 

e.) Waffenrecht

 

Herr Dr. Reeßing erklärt, dass in jedem einzelnem Hegering im Landkreis Diepholz verstärkt auf die gesetzliche Regelung des § 36 Waffengesetz hingewiesen wird. Die Hegeringleiter appellieren bei jeder Gelegenheit an die anderen Jäger, die Schusswaffen und die dazugehörige Munition entsprechend den gesetzlichen Vorschriften aufzubewahren.

Herr Dr. Reeßing lobt abschließend den Landkreis Diepholz für die unbürokratische, sachliche und ruhige Überprüfung der ordnungsgemäßen Aufbewahrung der Schusswaffen.

 

Vorsitzender Dr. Genthe bedankt sich bei Herrn Kreisjägermeister Dr. Reeßing für seine Ausführungen.