Auszug - Aufbau eines Kriseninterventionsteams  

Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit
TOP: Ö 4
Gremium: Ausschuss für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit Beschlussart: geändert beschlossen
Datum: Do, 29.11.2012 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 18:30 Anlass: Sitzung
Raum: Großer Sitzungssaal des Kreishauses Diepholz
Ort: Niedersachsenstraße 2, 49356 Diepholz
VO/2012/170 Aufbau eines Kriseninterventionsteams
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage öffentlich
Unterzeichner/in:van Lessen (i. V.)Aktenzeichen:32
Federführend:FD 32 - Sicherheit und Ordnung Bearbeiter/-in: Wichmann, Angela
 
Wortprotokoll
Beschluss
Abstimmungsergebnis

Wortprotokoll:

Herr Vorsitzender Dr. Genthe weist in der Thematik einleitend darauf hin, dass ehrenamtliche Strukturen hinsichtlich des Aufbaus eines Kriseninterventionsteams (KIT) sowie eine zeitnahe Entscheidung in der Sache wichtig seien.

 

Erster Kreisrat van Lessen begrüßt die Referenten Herrn Hergt vom DRK Landesverband Niedersachsen e.V., Frau Gesa Junglas vom Kirchenkreis Grafschaft Diepholz sowie Herrn Dierker, den stellvertretenden Leiter des DRK Cloppenburg.

 

Herr Hergt schildert in seinem Vortrag an einem Beispiel in Niedersachsen die Problemsituation der Notfallseelsorge. Ein wichtiger Aspekt sei, die richtige Einsatzkraft zur richtigen Zeit am richtigen Ort einzusetzen, dies gelte auch für die Notfallseelsorge. Hierzu gehöre nicht nur die Betreuung und Nachsorge der Opfer und Angehörigen, sondern auch die Einsatzkräftenachsorge. In kleineren Schadenslagen sei die Notfallseelsorge gut organisiert. In Großschadenslagen sei diese jedoch zur Zeit häufig überfordert. Hier sehe er es für die Verwaltungsführung als Pflichtaufgabe an für eine gut strukturierte Notfallseelsorge zu sorgen. Hierfür müsse zunächst ein Fundament geschaffen werden, um ausgebildetes Personal gezielt einsetzen zu können.

 

Es sollte die Möglichkeit genutzt werden, die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) sowohl aus geschulten Einsatzkräften der Hilfsorganisationen und Feuerwehren und aus ausgebildeten ehrenamtlichen Kriseninterventionshelfern zu besetzen. Hierfür absolviere das ehrenamtliche Personal 80 Unterrichtseinheiten mit anschließender Prüfung.

 

Im Anschluss an den Vortrag bedankt sich Herr Vorsitzender Dr. Genthe im Namen des Ausschusses und gibt das Wort an die Referentin Frau Junglas vom Kirchenkreis Grafschaft Diepholz (Koordinatorin für Notfallseelsorge) weiter.

 

Frau Junglas verdeutlicht zu Beginn anhand eines Falles aus der Praxis die Wichtigkeit einer geregelten Notfallseelsorge, insbesondere im Hinblick auf Angehörige und Zeugen.

 

Weiterhin trägt Sie vor, wie die Struktur der kirchlichen Notfallseelsorge gegliedert ist. Die Organisation sei im unteren Bereich nach den Kirchenkreisen aufgeteilt. Im Süden des Landkreises läge die Zuständigkeit beim Kirchenkreis Grafschaft Diepholz. Im Norden des Landkreises Diepholz werde die Notfallseelsorge durch den Kirchenkreis Grafschaft Hoya wahrgenommen. Eine gegenseitige Unterstützung komme in größeren Schadenslagen durchaus in Betracht, in Kleineren hingegen eher nicht. Unterstellt seien die Kirchenkreise in dem Fall dem Landeskirchlichen Beauftragten für Notfallseelsorge in Hannover. Die Alarmierung der vor Ort ansässigen Notfallseelsorger erfolge direkt über die Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle in Diepholz.

 

Frau Junglas führt weiterhin aus, dass die Notfallseelsorge der Kirche ca. 10 –15 Einsätze pro Jahr habe. Hierbei sehe sie das Problem, dass die Struktur der kirchlichen Notfallseelsorge zu klein sei und daher der Bedarf nicht gänzlich abgedeckt werden könne. Aus diesem Grund sei eine psychosoziale Nachsorge insbesondere durch ehrenamtliche Helfer dringend notwendig. Außerdem möchte sie sich insbesondere auch auf professionelle Zuwendung für Personen aussprechen, die täglich mit derartigen Notfallsituationen zu tun haben.

 

Herr Vorsitzender Dr. Genthe bedankt sich und reicht das Wort an den Koordinator für psychosoziale Notfallversorgung im Landkreis Cloppenburg, Herrn Dierker, weiter.

 

Nach kurzer Vorstellung und Begrüßung schildert Herr Dierker die Gliederung der PSNV im Landkreis Cloppenburg. Die Planungen hierfür haben im Jahre 2002 begonnen. Bis zum tatsächlichen Beginn habe es ca. zwei Jahre gedauert. Die Seelsorgebereiche im Landkreis Cloppenburg seien gebietsmäßig in drei Bereiche (Nord, Mitte und Süd) gegliedert und stehen unter der Trägerschaft des DRK. Jährlich habe das Kriseninterventionsteam (KIT) ca. 140 Einsätze. Die Kosten werden größtenteils durch Spenden gedeckt. Das KIT setze sich aus ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammen. Die Notfallseelsorge werde durch kirchliche Mitarbeiter vertreten. Gemeinsam werden hierdurch Aufgaben der psychosozialen Akuthilfe für Betroffene wahrgenommen. Dies geschehe sowohl vor Ort als auch außerhalb der Schadensstelle im Rahmen der Nachsorge. Hierunter falle u.a. die Betreuung von Angehörigen nach Todesfällen, die Betreuung von Suizidfällen sowie die Teilnahme an Evakuierungen und Suchaktionen. Herr Dierker weist insbesondere darauf hin, dass es sehr wichtig sei, dass Feuerwehr und Hilfsorganisationen durch Einsatz eines KIT/Notfallseelsorger gezielter ihrer Arbeit nachgehen können und schneller wieder einsatzbereit seien. Oft sei es leider der Fall, dass diese an ihrer Arbeit durch Schaulustige oder Angehörige behindert werden. Dies habe beispielsweise bei den Busunglücken im Ammerland am 11.11.2010 sowie in Hannover am 05.11.2008 die Arbeit erschwert.

 

Zuletzt weist Herr Dierker auf die Gliederung der Ausbildung für die PSNV hin. Die Ausbildung umfasse drei Bereiche, zu denen die PSNV-Basiskompetenz, die psychosoziale Akuthilfe für Betroffene sowie die psychosoziale Unterstützung der Einsatzkräfte gehöre. Insgesamt umfasse die Ausbildung für die PSNV 200 Unterrichtseinheiten.

 

Herr Vorsitzender Dr. Genthe spricht einen kurzen Dank aus und gibt die Möglichkeit Fragen an die Referenten zu stellen.

 

Frau Roitsch-Schröder bittet die Präsentation von Herrn Dierker als Anhang in das Protokoll aufnehmen zu lassen.

 

Herr Dierker stimmt dieser Bitte zu, jedoch möchte er vorab aus der Präsentation aus datenschutzrechtlichen Gründen die Bilder entfernen.

 

Weiterhin fragt Frau Roitsch-Schröder an, ob es in der Vergangenheit von Betroffenen Ablehnungen zur Hilfeleistung im Bereich der kirchlichen Notfallseelsorge, beispielsweise durch Andersgläubige, gegeben habe.

 

Frau Junglas erklärt, dass sie eine ablehnende Haltung in der Praxis bisher nicht erlebt habe.

 

Herr Hergt teilt mit, dass es in seinem Bereich bereits Ablehnungen gegeben habe, jedoch habe dies andere Gründe gehabt. Beispielsweise waren die betroffenen Personen durch die Schocksituation derart überfordert, dass es zu einer ablehnenden Haltung gekommen sei. Zudem könne es im seltenen Einzelfall auch vorkommen, dass das zwischenmenschliche Verhältnis zwischen Notfallseelsorger und betroffener Person nicht stimme. Ansonsten werde die Hilfeleistung aber durchweg positiv gesehen.

 

Herr Diephaus-Borchers erkundigt sich nach der Anzahl des ausgebildeten Personals im Bereich PSNV.

 

Herr Dierker berichtet, dass es im Bereich des Landkreises Cloppenburg 46 Mitwirkende gebe. Davon seien ca. 1/3 aus dem kirchlichen Bereich. Durch die Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer werde die Kirche entlastet.

 

Herr Engelbart erwähnt, dass er die PSNV befürworten könne, da er es aus dem privaten Bereich hinsichtlich des Feuerwehrdienstes kenne, wie wichtig eine derartige Fürsorge für Betroffene und auch für Einsatzkräfte sei. Die Feuerwehr könne sich nur kurzzeitig um einzelne Aufgaben der Notfallseelsorge kümmern. Außerdem halte er es für wichtig, dass die PSNV ehrenamtlich erfolge, da es für die Helfer aus der Feuerwehr und den Hilfsorganisationen eine psychisch sehr belastbare Aufgabe darstelle und dies auf Dauer ohne Unterstützung nicht hinnehmbar sei. Die Frage der Finanzierung sei ebenfalls ein Indiz dafür.

 

Herr Wehrbein merkt an, dass er durchaus Handlungsbedarf in der Angelegenheit sehe. Man müsse politisch eine Diskussionsstruktur schaffen. Zudem wolle er gerne wissen, ob es Möglichkeiten gebe, wie ein ehrenamtliches KIT konkret unterstützt werden könne. Hinsichtlich der ehrenamtlichen Besetzung gibt er zu bedenken, ob es sonst nicht zu einer Überlastung des Ehrenamtes führen könne.

 

Herr Hergt erklärt, Unterstützung sollte dahingehend erfolgen, dass sich zunächst erkundigt werde, was bereits aktuell in den einzelnen Hilfebereichen passiere. Hierfür rege er an, Anfragen seitens der Politik über den Sachstand zu stellen. Eine Überlastung des Ehrenamtes sehe er nicht. Es werde niemand zu der Aufgabe gezwungen. Es handele sich vielmehr um ein generelles Angebot zur Aufgabenwahrnehmung.

 

Herr Vorsitzender Dr. Genthe fragt bei Herrn Kreisbrandmeister Schlung und Herrn Dr. Callies an, ob es Ergänzungen oder Vorschläge gäbe.

 

Herr Kreisbrandmeister Schlung teilt daraufhin mit, dass man im Bedarfsfall im Landkreis Diepholz immer im Kontakt mit der Notfallseelsorge stehe. Die Zusammenarbeit habe bisher gut geklappt. Zudem merkt er an, dass das Personalkontingent äußerst begrenzt und eine Umsetzung daher sehr schwer sei.

 

Herr Dr. Callies lobt zunächst die Umsetzung der PSNV im Landkreis Cloppenburg. Er erklärt jedoch ebenfalls, dass die Notfallseelsorge im Landlreis Diepholz bisher gut funktioniert habe.

 

Herr Vorsitzender Dr. Genthe regt einen Beschlussvorschlag in der Angelegenheit an.

 

Gegen einen Beschluss liegen keine Einwände vor.

Beschluss:

Beschluss:

Die Hilfsorganisationen werden aufgefordert eine interne Diskussion zu führen  und danach Vorschläge vorzulegen. Anschließend wird die Thematik erneut im Ausschusses für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit beraten.

Abstimmungsergebnis:

Abstimmungsergebnis:

Einstimmig