Auszug - Aktuelles aus der Kreisfeuerwehr  

Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit
TOP: Ö 6
Gremium: Ausschuss für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit Beschlussart: (offen)
Datum: Do, 08.12.2016 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 18:15   (öffentlich ab 16:20) Anlass: Sitzung
Raum: Großer Sitzungssaal des Kreishauses Diepholz
Ort: Niedersachsenstraße 2, 49356 Diepholz
 
Wortprotokoll
Abstimmungsergebnis

Wortprotokoll:

Kreisbrandmeister Wessels informiert den Ausschuss über die aktuelle Situation bei der Kreisfeuerwehr. Mit Stand vom 29.11.2016 sah das Einsatzgeschehen wie folgt aus: 

  • 379 Brandeinsätze
  • 490 technische Hilfeleistungseinsätze inklusive Amtshilfen
  • 385 Einsätze aufgrund vom Auslösen der Brandmeldeanlagen – signifikanter Anstieg durch die Änderung der Gesetze zur verpflichtenden Installation von Brandmeldeanlagen in Niedersachsen
  • 14 Fehlalarme

 

Es fand eine großangelegte Übung der Stadtfeuerwehr bei der Firma Gemüse Meyer in Twistringen statt. Hier wurde die Zusammenarbeit nach dem neuen Konzept für einen Massenanfall an Verletzten (MANV-Konzept) mit dem DRK und dem THW geübt, was sehr erfolgreich funktioniert habe.

Neben dem positiven Ausgang der Übung gebe es jedoch auch negative Aspekte zu berichten. Der stv. Kreisbrandmeister und Abschnittsleiter für den Brandschutzabschnitt Süd, Uwe Rohlfs, musste aus beruflichen Gründen um die Entlassung aus dem ehrenamtlichen Arbeitsverhältnis zum 28.11.2016 bitten. Dies habe sich abgezeichnet und man habe versucht die bevorstehende Vakanz zu kompensieren – bisher ohne Erfolg. Insgesamt sei die Tätigkeit des Abschnittsleiters sehr umfangreich und zeitintensiv. Alleine für das kommende Jahr seien bereits 78 Termine ohne Einsätze sicher. Ein nicht unerheblicher Teil hiervon falle in die reguläre Arbeitszeit. Dieser Umfang schrecke potentielle Kandidaten ab.   

Er berichtet, dass sich die Ortsfeuerwehren Ristedt und Gessel zusammenschließen werden. Die Ortsfeuerwehr Sieden werde sich im nächsten Jahr mangels Einsatzkräften auflösen. Zudem werde sich die jetzige Ortsfeuerwehr Ridderade zukünftig als Löschgruppe der Ortsfeuerwehr Heiligenloh anschließen.

Ebenfalls habe sich die Kreisfeuerwehr mit dem Haushalt für das kommende Jahr beschäftigt. Das Jahr 2017 wird auf lange Sicht das kostenintensivste werden. Es müssen zwei neue Fahrzeuge angeschafft werden – Fahrzeugkonzept der Kreisfeuerwehr siehe Anhang Nr.3.

Kreistagsabgeordneter Iven möchte sich bei der Kreisfeuerwehr für die geleistete Arbeit bedanken. Ferner möchte er sich besonders bei Herrn Wessels bedanken, der die Kreisfeuerwehr sehr gut organisiert und den Ausschuss in regelmäßigen Abständen umfangreich über die geleistete Arbeit in Kenntnis setzt. Sämtliche Feuerwehren befänden sich aktuell im Umbruch. Viele Wehren werden zusammengelegt und es entstehen neue Herausforderungen für die Mitarbeiter. Um diesen Herausforderungen auch zukünftig gerecht zu werden, bedarf es der notwendigen technischen Ausrüstung. Die SPD-Fraktion wird dem Plan zustimmen.

Kreistagsabgeordneter Engelbart bedankt sich ebenfalls für die geleistete Arbeit der Kreisfeuerwehr. Er möchte zudem wissen, aus welchem Grund das Fahrzeug GW-L2  (Anschaffungsjahr 2004) schon ersetzt werden müsse.

Kreisbrandmeister Wessels teilt mit, dass es sich bei dem Fahrzeug um einen gebrauchten ehemaligen Möbelwagen handeln würde, der damals zu einem Gerätewagen umgebaut wurde. Er sei technisch nicht mehr ausreichend ausgestattet. Investitionen in diesen Wagen seien auch nicht mehr rentabel. Die zukünftigen Fahrzeuge werden flexibel einsetzbar und werden sämtliche notwendige Ausstattungen beinhalten.

Kreistagsabgeordneter Dr. Genthe bedankt sich bei Herrn Wessels stellvertretend für die Kreisfeuerwehr. Die notwendigen Investitionen seien zwar auf den ersten Blick ziemlich hoch, aber aufgeteilt auf die kommenden Nutzungsjahre moderat. Die Vergangenheit zeige, dass Investitionen in die Feuerwehr sich rentiert haben. Dem Vorschlag wird die FDP-Fraktion ebenfalls zustimmen. Insgesamt beunruhige ihn jedoch die „Auflösungserscheinungen“ der kleineren Feuerwehren. Einige Wehren stellen ihren Betrieb gänzlich ein. Er hoffe, dass der Brandschutz trotz der diversen Schließungen weiterhin aufrechterhalten werden kann.

Zudem würde er gerne wissen, wie die aktuelle Personalsituation bei der Feuerwehr, insbesondere im ehrenamtlichen Bereich, ist.

Kreisbrandmeister Wessels bestätigt die schwierige Situation. Das Ehrenamt insgesamt, ob bei der Feuerwehr oder in anderen Vereinigungen, leide unter der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung. Zwar sei die Feuerwehr bei jungen Menschen immer noch attraktiv, aber der Charakter der Jugendlichen habe sich deutlich gewandelt. Sie seien zum einen nicht mehr so belastbar und zum anderen hielten die Jugendlichen früher der Feuerwehr wesentlich länger die Treue. Dies liege auch daran, dass rund 40 % aller Jugendlichen Abitur machen und dann zum Studieren wegziehen. Auch habe das technische Verständnis der Jugendlichen sich stark gewandelt, was sich auf die Flexibilität in den Einsätzen deutlich auswirke. Diese Entwicklung müsse man zu Kenntnis nehmen und die steigenden Herausforderungen bei Einsätzen mit weniger Personal schultern. Auf diese Situation wird die Feuerwehr aktuell intensiv vorbereitet. 

Kreistagsabgeordneter Wehrbein würde gerne wissen, wie die Altersstruktur genau ausschaut und ob es die Möglichkeit gebe die älteren und erfahreneren Feuerwehrleute länger zu binden.

Kreisbrandmeister Wessels verdeutlicht, dass in fünf Jahren schon das notwendige „Know-how“ nur noch eingeschränkt genutzt werden könnte. Längere Prognosen seien nicht verlässlich und werden auch nicht geführt.

Kreistagsabgeordnete Plate fragt sich, ob eine Anhebung der Altersgrenze dem Problem entgegenwirken könnte.

Kreisbrandmeister Wessels teilt mit, dass die Altersgrenze aktuell bei 63 Jahren liege, wobei auf Antrag eine Verlängerung möglich ist. Aktuell werde beim Land Niedersachen ein Gesetzentwurf zur Anhebung der Altersgrenze auf 67 Jahren vorbereitet. Dies sei ein nachvollziehbarer Schritt, wobei bei jedem Feuerwehrmann / jeder Feuerwehrfrau ab dem 60. Lebensjahr geprüft werden sollte in welchem körperlichen Zustand er / sie sich befinde. Insgesamt sei eine solche Anhebung der Altersgrenze lediglich die Verschiebung des Problems um ein paar Jahre nach hinten.

Kreistagsabgeordneter Stieglitz bestätigt aus eigener Erfahrung, dass viele Feuerwehreinsätze körperlich sehr anspruchsvoll seien und ob diese im Alter von 60 oder höher noch so geleistet werden können, sei fraglich. Der personellen Entwicklung müsse entgegengewirkt werden. Es sei sehr schwierig junge Menschen im Alter von 19, 20 oder 21 für die Feuerwehr zu rekrutieren. Umso wichtiger sei die Arbeit in der Jugendfeuerwehr. Im jüngeren Alter müsse man versuchen die Kinder für die Feuerwehr so zu begeistern, dass diese ihr die Treue halten. Das Freizeitverhalten der Jugendlichen habe sich deutlich gewandelt. Andere Vereine, wie zum Beispiel Sportvereine, haben ähnliche Probleme und stehen vor denselben Herausforderungen. Er würde zudem gerne wissen, wie die Akzeptanz der Arbeitgeber der Feuerwehrleute sei, insbesondere auch ob es Schwierigkeiten für die Freistellungen für Einsätze gebe.

Kreisbrandmeister Wessels stellt fest, dass das Verständnis für die Arbeit in der Feuerwehr bei den Arbeitgebern immer noch sehr groß ist und diese keinerlei Probleme mit der Abstellung ihrer Mitarbeiter/Innen haben. Einige Arbeitgeber würden zwar den Arbeitsausfall ihrer Mitarbeiter der entsprechenden Kommune in Rechnung stellen, was aber aufgrund der gesetzlichen Regelung auch vollkommen nachvollziehbar sei. Um das Verständnis der Arbeitgeber aufrechtzuerhalten, sollten und müssen die Feuerwehrleute einen Konsens zwischen Arbeit und Feuerwehr schaffen. Hier müsse insbesondere vor Einsätzen geschaut werden, ob die Arbeitssituation es gerade zulassen würde die Arbeitsstelle zu verlassen. Die Feuerwehrleute haben ein Fingerspitzengefühl für die Situation entwickelt.

Kreistagsabgeordnete Helmerichs wünscht sich für ein besseres Verständnis konkretere Zahlen zum Personal. Neben den Abiturienten, die den Landkreis verlassen, würden auch viele nach 10 Jahren zurückkehren. Diese Personen sollten dann nach Möglichkeiten wieder integriert werden.

Kreisbrandmeister Wessels sieht in den Statistiken ein Problem. Diese seien zwar in den einzelnen Kommunen vorhanden, ließen sich jedoch aufgrund unterschiedlicher Datenstrukturen nicht sinnvoll auf Kreisebene zusammenfassen. Insbesondere könne man nicht darstellen, wie viele Studierende nach ihrem Studium zurückkehren. Dies sei nicht möglich. Aktuell habe man 5.106 Feuerwehrleute. In 10 Jahren würden es deutlich weniger sein. Während ländliche Kommunen einen signifikanten Rückgang zu verzeichnen haben, profitieren Kommunen wie Stuhr und Weyhe von ihrer Nähe zu Bremen. Insgesamt sei die Personalplanung- und Sicherstellung Aufgabe der Kommunen.

Kreistagsabgeordneter Brockhoff teilt dem Ausschuss mit, dass die Stadt Syke einen Arbeitskreis gebildet hat, in der genau diese Fragen erarbeitet, behandelt und entsprechende Zahlen erhoben werden.

Abstimmungsergebnis:

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Anh. Nr. 3 Fahrzeugkonzept (299 KB)