Auszug - Jugendhilfeplanung im Landkreis Diepholz  

Sitzung des Jugendhilfeausschusses
TOP: Ö 7
Gremium: Jugendhilfeausschuss Beschlussart: (offen)
Datum: Di, 06.03.2018 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 18:50 Anlass: Sitzung
Raum: Sitzungssaal des Kreishauses Syke
Ort: Amtshof 3, 28857 Syke
 
Wortprotokoll

Wortprotokoll:

Herr Schumacher teilt mit, dass das Thema Jugendhilfeplanung auf seinen Wunsch hin auf die Tagesordnung genommen wurde.

 

Herr Klusmeyer berichtet zu diesem Tagesordnungspunkt. Er erläutert zunächst die rechtlichen Grundlagen für die Jugendhilfeplanung, die dem Jugendamt die Planungsaufgaben zuweisen würden, aber keine direkten Vorgaben enthielten, wie die Planung konkret vorzunehmen sei und wie ein Jugendhilfeplan genau auszusehen habe. Herr Klusmeyer schildert sodann die Erfahrungen mit der ersten Jugendhilfeplanung, die in den Jahren 1997-2001 durchgeführt wurde. Aus dem damaligen Vorgehen habe man die Erkenntnis gewonnen, dass es wenig zielführend sei, die Planungsprozesse zu aufwendig und langwierig (damals 4 ½ Jahre) anzulegen. Auch müssten Planungen konkret handlungsleitend sein und sozialumlich sowie fachbezogen entwickelt und formuliert werden. Aus diesen Gründen und weiteren von Herrn Klusmeyer dargestellten Aspekten, habe die Verwaltung in Übereinstimmung mit dem Jugendhilfeausschuss keine Fortschreibung der Jugendhilfeplanung gemäß dem damaligen Vorgehen vorgenommen. In diese Zeit fiel zudem die Entscheidung, einen umfassenden Planungs- und Restrukturierungsprozess im Jugendamt einzuleiten, um eine sozialräumliche Jugendhilfe im Landkreis Diepholz aufzubauen. Die mit einer Teilzeitkraft besetzte Jugendhilfeplanerstelle sei in diesen Prozess für Planungs- und Koordinierungsaufgaben integriert worden. Im Verlaufe der sozialräumlichen Umstrukturierung habe sich die Erkenntnis gefestigt, keine zentrale landkreisweite Jugendhilfeplanung nach bisheriger Lesart mehr aufzulegen, sondern:

  • die Planungen innerhalb des Fachdienstes Jugend sozialräumlich auszurichten
  • stärker auf themenbezogene Fachplanungen in den Teams zu setzen
  • diese Planungen mit übergreifenden Planungen zu koordinieren und zu verknüpfen (Strategieplanung des Landkreises; Planungen gemeinsam mit den Kommunen, wie z. B. die Kindertagesstättenplanung, das Projekt: „Gemeinsam für Familienfreundlichkeit“ usw.)

Insgesamt ging es darum, die Planungsprozesse zu verschlanken, zeitnahe Umsetzungen von Planungen zu ermöglichen und damit den Ressourceneinsatz für Planungsaufgaben zu begrenzen. In der Folge sei dann kein Jugendhilfe-Gesamtplan mehr aufgelegt worden. Auch sei die Jugendhilfeplaner-Stelle nach dem Ausscheiden der Stelleninhaberin nicht neu besetzt worden. Planungsaufgaben würden seitdem innerhalb der sozialräumlichen Strukturen sowie in den verschiedenen Fachabteilungen (Teams) des Jugendamtes wahrgenommen. Auch wenn es keinen schriftlichen Jugendhilfe-Gesamtplan mehr gebe, hätten in den unterschiedlichen Aufgabenbereichen des Jugendamtes sehr wohl diverse inhaltlich abgestimmte Planungsprozesse stattgefunden. Diese seien jedoch themenbezogen erfolgt und immer auch unter frühzeitiger Einbindung des Jugendhilfeausschusses diskutiert und beschlossen worden. Mit diesem Vorgehen habe man das Ziel erreicht, die Zeitspannen zwischen Planung und konkreter Umsetzung so kurz wie möglich zu halten. Dies habe die zügige Weiterentwicklung in verschiedenen Themenbereich deutlich positiv befördert. Herr Klusmeyer führt dafür eine ganze Reihe von Einzelbeispielen an, auf deren Auflistung an dieser Stelle verzichtet wird. Aus den verschiedenen Einzelthemen ergebe sich die Jugendhilfeplanung des Landkreises - ohne dass man die diversen Themen und Fachplanungen noch zu einem Gesamtkonzept verschriftlicht habe. Der Fachdienst und auch der Jugendhilfeausschuss hätten die Jugendhilfeplanung in den vergangenen Jahren (auch aufgrund sich schnell verändernden Rahmenbedingungen) immer als einen kontinuierlich fortlaufenden Prozess einer differenzierten und flexiblen Planungssteuerung verstanden. Dieses sei insoweit ein zwischen Verwaltungsführung, Jugendamt und Jugendhilfeausschuss abgestimmtes Vorgehen gewesen, welches als effektiv, schlank und ressourcenschonend bezeichnet werden könne. Dies schließe aber nicht aus, dass man die bisherigen Vorgehensweisen weiter optimieren und auch anpassen könne. Mit dem Jugendhilfeausschuss könne man zu diesen Aspekten gerne in einen weiteren fachlichen Austausch gehen. Der heutige Bericht sei zu diesem Thema insoweit eine erste allgemeine Information.

 

Herr Schumacher sieht in der Jugendhilfeplanung eine Leitlinie. Zudem sei die Jugendhilfeplanung ein Instrument für den Jugendhilfeausschuss. Im Abstand von z. B. 2 Jahren sollte sich eine Jugendhilfeplanung genauer angeschaut werden, da sich diese mit den gesellschaftlichen Veränderungen befassen müsse.

 

Weiter berichtet Herr Schumacher von einer Veranstaltung in Brinkum, die das Thema Umgang mit Internet und Spielekonsolen hatte. An dieser Veranstaltung hatten 60 Besucher teilgenommen. Es ging u.a. um die Frage, wie viele Stunden am Tag ein Jugendlicher ins Internet darf. In diesem Zusammenhang verweist er auf die Studie von der DAK. Demnach seien 8 % der 14-jährigen suchtgefährdet. Hierfür müssen Antworten gefunden werden.

 

Frau Schönfeld wendet ein, dass zwar Antworten gefunden werden müssten, dies aber nicht durch den Jugendhilfeausschuss geschehen kann. Zudem sollte der Jugendhilfeausschuss wieder öfter Einrichtungen besuchen. Hierdurch könnten auch Jugendliche für die Sitzung des Jugendhilfeausschusses interessiert werden.

 

Herr Kawemeyer weist darauf hin, dass Jugendhilfeausschusssitzungen früher auch schon um 14 Uhr stattgefunden haben in Verbindungen mit dem Besuch von Einrichtungen. Bezüglich der Jugendhilfeplanung stelle es sich für ihn so dar, dass man sich im JHA wie von Herrn Klusmeyer geschildert  - mit diversen Planungsprozessen befasst habe, ohne sich aber immer explizit zu vergegenrtigen, dass man damit an Teilbereichen der Jugendhilfeplanung des Fachdienste arbeite. Er hielt es für richtig, in flexiblen Fachplanungen vorzugehen. Aber vielleicht sollte man die verschiedenen Einzelplanungen zusätzlich auch in einer Art Jahresübersicht zusammenfassen, damit insoweit ein (auch für eine Rückschau) Gesamtbild (oder „Gesamtplan“) entstehen könne.

 

Herr Albershrt hinsichtlich der Jugendhilfeplanung aus, dass es sich um ein Instrument handelt, dass einerseits Entwicklungen widerspiegeln sollte andererseits daraus auch Folgerungen ableitet und in die Zukunft blickt. Es müsse dafür auch etwas verschriftlich werden, das stetig weiterentwickelt und fortgeschrieben wird. Dieser Anforderung an eine Jugendhilfeplanung komme man bisher nicht hinreichend nach. Wenn nötig, müsste dafür auch zutzliches Personal eingestellt werden.

 

Herr Scholz berichtet, dass er in seiner Arbeit viele Jugendämter erlebt. Die Stelle eines Jugendhilfeplaners werde oft als „Karrieresprungbrett“ und sei daher einem häufigen Personalwechsel ausgesetzt. Die Zusammenarbeit in den Sozialraumteams im Landkreis Diepholz wird als sehr konstruktiv empfunden. Ein roter Faden sei dabei erkennbar. Regional finde beim Landkreis eine gute Planung statt.

 

Frau Roitsch-Schröder berichtet, dass sie im damaligen Planungsprozess auch persönlich eingebunden war. Die Aufzählung von Herr Klusmeyer, in welchem Rahmen in den letzten Jahren Jugendhilfeplanung stattgefunden habe, sei ein guter Überblick gewesen, was man im JHA alles angegangen sei und „bewegt“ habe. Dieses solle man aber künftig auch zusammenfassend verschriftlichen.

 

Herr Schumacher schließt die Aussprache zu diesem Tagesordnungspunkt mit dem Hinweis ab, dass man sich mit der Frage befassen müsse, in welchem Rahmen zukünftig eine Jugendhilfeplanung gewollt sei. Dieses müsse aber nicht unter Zeitdruck geschehen.