Auszug - Aktuelles aus der Kreisfeuerwehr  

Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit
TOP: Ö 5
Gremium: Ausschuss für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit Beschlussart: (offen)
Datum: Di, 21.05.2019 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 17:40 Anlass: Sitzung
Raum: Sitzungssaal des Kreishauses Syke
Ort: Amtshof 3, 28857 Syke
 
Wortprotokoll

Wortprotokoll:

Herr Kreisbrandmeister Wessels berichtet über insgesamt 627 Einsätze vom Jahresanfang bis zum 20. Mai 2019. Im Einzelnen nennt er 227 Feueralarme und Brandsicherheitswachen, 113 Einsätze aufgrund des Auslösens einer Brandmeldeanlage oder Fehlalarme und 243 Technische Hilfeleistungen und Amtshilfen.

 

Herr Wessels berichtet weiter vom Osterwochenende am 20.04.19, um 23:40 Uhr stand ein größeres reetgedecktes Anwesen mit sieben Gebäuden in Bruchhausen-Vilsen in Brand. Von den sieben Gebäuden sind vier bis auf die Grundmauern abgebrannt. Dies lag nicht an der Arbeit der Feuerwehr, sondern an der Dacheindeckung der vier Gebäude sowie an der schwierigen Löschwasserversorgung. Der Einsatz dauerte bis zum Sonntagnachmittag.

 

Am Montag des 22.04. um 11:20 brannte das Moor. Zunächst gab es eine Alarmierung für die Samtgemeinde Barnstorf, nach umfangreichen Erkundungen und Kontakt zwischen den Leitstellen Diepholz und Vechta, habe man sich entschlossen, die bereits alarmierten Kräfte auf Diepholzer Seite in den Einsatzraum nach Arkeburg in die Gemeinde Goldenstedt im Landkreis Vechta zu verlegen. Hier wurde inzwischen die Alarmstufe immer weiter erhöht.

 

Da der Wind aus Osten kam, hatte das Feuer die Kreisgrenze nicht überschritten, breitete sich aber schnell auf Vechtaer Seite aus. Am Nachmittag wurden im Rahmen der Nachbarschaftshilfe weitere Kräfte angefordert, nämlich eine Kreisfeuerwehrbereitschaft (KFB) und neun geländengige Tanklöschfahrzeuge (TLF).

 

Über die Leitstelle habe Herr Wessels dann die KFB 1 alarmieren lassen sowie einen zuvor schon zusammengestellten Löschzug (LZ) mit neun geländegängigen TLF. Außerdem wurde noch ein weiterer Löschzug aus der Stadt Twistringen alarmiert. Somit waren insgesamt 315 Kräfte aus dem Landkreis Diepholz im Einsatz. Auch andere Feuerwehren aus weiterer Nachbarschaft des Landkreises Vechta sowie drei Hubschrauber waren im Einsatz, der sich noch bis zum nächsten Wochenende hinzog.

 

Kreisbrandmeister Wessel habe aus dem Moorbrand einige Erkenntnisse gezogen, die er den Mitgliedern des Ausschusses noch kurz erläutert.

 

Im Berichtszeitraum gab es weitere Einsätze. Dazu gehörten mehrere Einsätze mit technischer Hilfe (TH) mit zum Teil komplexen technischen Rettungen im Gebiet der Samtgemeinde Bruchhausen.-Vilsen.

 

Ein TH-Einsatz aus Preußisch Ströhen im benachbarten Kreis Minden-Lübbecke habe in der angrenzenden Feuerwehrwelt für Aufsehen gesorgt. Bei der Schaffung einer großen Seitenöffnung zur Rettung einer eingeklemmten Person habe man beim Durchtrennen der B-Säule des Fahrzeugs in die Druckkartusche, die für die Zündung des Seitenairbags notwendig sei, geschnitten. Hierbei habe ein Teil der Kartusche den „Patientenhelm“ von innen her komplett durchschlagen. Die Druckpatrone sei bei der Erkundung übersehen worden. Man denke jetzt auch in diesem Nachbarkreis darüber nach, das Crash-Recovery-System (CRS) wie es im Landkreis Diepholz bereits seit mehreren Jahren erfolgreich genutzt werde, anzuschaffen.

 

Weiterhin berichtet Herr Wessels über das Thema Atemschutzpool. Ein Ingenieurbüro habe eine Bestandaufnahme durchgeführt, es werde auf das Ergebnis gewartet.

 

Herr Wessels informiert, dass in beiden Brandschutzabschnitten des Landkreises eine Schulung zur RIC (Funk-Identifikationsnummern)-Planung für die digitale Alarmierung stattgefunden habe. Die Stadt- und Gemeinde-Feuerwehren würden nun die Listen ausfüllen und diese dann in Einklang mit ihrer Alarm- und Ausrückordnungen (AAO) bringen, die schon vor einigen Jahren erstellt wurden. Hierdurch könne es ggf. noch einmal zu Anpassungen in den AAO kommen.

 

Die neue Software Luna-Soft für die Zusammenarbeit bei Großschadenslagen bzw. einem Katastrophenfall sei so gut wie „übergabefertig“, ein Einführungstermin für die Stadt- und Gemeindebrandmeister und die Leiter der kommunalen „Einsatzleitungen Ort (ELO) werde in Kürze stattfinden können.

 

Weiterhin berichtet Herr Kreisbrandmeister Wessels, dass die Ereignisse in den letzten zehn Monaten ihn dazu veranlasst haben, in den zurzeit bestehenden Strukturen der Kreisfeuerwehrbereitschaften und der Liste der geländegängigen Tanklöschfahrzeuge  Änderungen vorzunehmen. Dazu hätten sich die Einheitsführer und die zuständigen Stadt- und Gemeindebrandmeister am 13. Mai getroffen und die „Neuausrichtung“ erörtert, welche jetzt eingeführt werde.

 

Herr Wessels erläutert, was sich ändern werde und welche Kosten entstehen werden.

Zu den bestehenden Wassertransport-Zügen (WT-Zg) der drei Kreisfeuerwehrbereitschaften würden gem. dem Erlassentwurf

 

- geländegängige Tanklöschfahrzeuge zugeordnet,

- dem Zug jeweils ein Kommandowagen (VW Amarok) zugeordnet,

- als Einsatzäquivalent zu möglichen Gerätewagen-Logistik die Tragkraftspritzenfahrzeuge (TSF) in den Zügen belassen.

 

Die einzige notwendige Anschaffung seien Faltbehälter für die Wasserentnahmestelle oder Wasserübergabestellen am Einsatzort in der Größe von 5.000 Litern. Die Anschaffung würde rund 3.200 €r alle drei Züge kosten.

 

Im Ergebnis seien dann drei spezielle Fachzüge, die gerade für solche Einsätze besonders ausgestattet und geschult seien, mit einem kaum zu erwähnenden Aufwand geschaffen worden. Daraus würden sich mehrere Vorteile ergeben. Dies wären:

 

- eine Zeitersparnis bei der Alarmierung,

- eine sofortige Verfügbarkeit von ausgebildeten Führungspersonal,

- spezielle Fähigkeiten (VW Amarok) zum Materialtransport vor Ort.

 

Herr Wessels erläutert, dass die Einsätze deutlich aufgezeigt hätten, wo die Probleme liegen und was dagegen unternommen werden müsse. Dies finde sich in diesem Konzept wieder. Diese Neuausrichtung werde Herr Wessels dann den benachbarten Kreisbrandmeistern und dem zuständigen Regierungsbrandmeister mitteilen. Die Verwaltung müsse dann noch die Polizeidirektion Oldenburg informieren.

 

Herr Kreisbrandmeister Wessels berichtet von der Umstellung des Geschirrmaterials für die Verpflegung der Einsatzkräfte sowie von Menschen in Notsituationen. Entsprechende Proben des Geschirrmaterials wird in der Sitzung zur Ansicht in Umlauf gegeben. Es gebe eine Firma im Landkreis, die sich auf 100% recycelbares bzw. kompostierbares Einweggeschirr spezialisiert habe. Hier könnten sich die Verpflegungsgruppen entsprechend ausstatten.

 

Frau Söfty bedankt sich für die detaillierten Ausführungen und begrüßt die Umstellung des Geschirrmaterials.

 

Herr Dr. Genthe erkundigt sich, ob es für die immer zahlreicher werdenden Elektrofahrzeuge spezielle Software und Ausrüstungen bei der Feuerwehr gebe, da diese Fahrzeuge nach einem Unfall noch unter Strom stehen oder bei einem Brand Gase entwickeln könnten, die für einen Insassen oder Helfer giftig sein könnten.

 

Herr Wessels erklärt, dass ein Fahrzeug bei der Zulassung in das bereits angesprochene System CRS aufgenommen werde und dort alle Daten zu dem Fahrzeugtyp zur Verfügung stehen würden. Alle kritischen Merkmale, wie der Antrieb (Gas, Elektro usw.), Stromleitungen, Gaskartuschen von Airbags seien in diesem System hinterlegt und könnten von der Leitstelle abgerufen werden. Die entsprechenden Daten seien an der Einsatzstelle in einem von der Feuerwehr mitgeführten Notebook verfügbar. Eine Gefährdung für Rettungskräfte und Insassen z.B. durch giftige Gase könne dadurch erheblich reduziert werden. Auch könne der Abschleppunternehmer von den Einsatzkräften vor Ort informiert werden, wo ein solches verunfalltes Fahrzeug besser nicht abgestellt werden sollte, falls noch eine Brandgefahr bestehe. Herr Wessels berichtet von einer Übung, bei der ein abgemeldetes Auto zum Einsatz kam. Auf Grund der Abmeldung konnte der Disponent in der Leitstelle keine Daten mehr im System finden.

 

Herr Dr. Genthe fragt nach, wie es in der Praxis aussehe, wenn ein E-Auto verunfalle und die Batterie an die Karosserie rage. Dies könne ja nicht von dem CRS-System erkannt werden.

 

Herr Wessels erklärt, dass der Einheitsführer eine Erkundung durchführe. Ob dies ggf. mit einem Stromprüfer erfolge, kann Herr Wessels nicht sagen.

 

Herr Schnieder gibt zu bedenken, dass die E-Mobilität sich immer weiter ausbreite, die Post habe allein schon etwa 9.000 E-Fahrzeuge. Auch der Landkreis habe in seinem Fuhrpark E-Fahrzeuge. Von diesen Fahrzeugen könnten Gefahren ausgehen, die man nicht unterschätzten dürfe. Es könnten Fehlfunktionen durch Röhrenspannungen entstehen, die einen Gleichstrom von 600 V aufweisen, Lichtbögen könnten entstehen, Flüssigkeiten könnten sich entzünden. Wenn die Batterie brenne, könnten giftige Gase entstehen und Flusssäure auslaufen. Nicht zu unterschätzen sei die lange Brenndauer und die Wiederentzündungsgefahr von bis zu 14 Tagen. Einige Landkreise hätten daher schon Löschcontainer angeschafft. Herr Schnieder möchte gern wissen, ob der Landkreis Diepholz auch in Erwägung ziehe, einen solchen Container anzuschaffen, welche Konzepte es gebe und ob zusätzliche Ausrüstungen bzw. Schulungen benötigt würden.

 

Der Prozentsatz von E-Auto sei zurzeit noch sehr gering, teilt Herr Wessel mit. Es gebe im Moment noch kein schlüssiges Konzept mit Handlungsanweisungen, welches bundesweit greife. Man könnte einen solchen Container kaufen, das Fahrzeug hineinstellen, den Container mit Wasser fluten und mehrere Tage stehen lassen, dies sei aus Sicht von Herrn Wessels jedoch noch kein Konzept. Ein solcher Container könne nicht am Unfallort stehengelassen werden, es müsse auch eine ausreichende Wassermenge vorhanden sein, der Containersse wieder fortgeschafft und das Wasser entsorgt werden. Die Rettungskräfte würden aber zu dem Thema auf den Laufenden gehalten. Ein Konzept sei derzeit noch nicht in Planung.

 

Herr Iven stellt noch mal klar, dass die Ausbildung der Einsatzkräfte im Bereich der E-Autos stattfinden sollte. Weiterhin möchte Herr Iven wissen, wie sich der Hubschrauber mit dem 5.000 Liter Wassertank bei dem Brand im Goldenstedter Moor bewährt habe.

 

Herr Wessel berichtet, dass sich dieser Hubschrauber nicht bewährt habe, zum einen habe der Hubschrauber von Mecklenburg nach Bückeburg verlegt werden müssen, dadurch sei nur noch eine sehr begrenzte Resteinsatzzeit vorhanden gewesen, des Weiteren konnte nur der kleine Hartensbergsee als Wasseraufnahmestelle genutzt werden. Effizienter sei ein privater Hubschrauber gewesen, der dank der kurzen Flugstrecke in sehr kurzen Intervallen jeweils 500 Liter aufnehmen konnte.

 

Herr Abelmann möchte wissen, ob ggf. ein Elektroauto auch wie eine Oberleitung geerdet werden könne.

 

Herr Wessel teilt mit, dass sich der Fachausschuss für Technik der Feuerwehr mit dieser Problematik wohl befassen werde.

 

Bei einer 600 Volt Gleichspannung sei dies nicht möglich, erklärt Herr Schnieder ergänzend.