Auszug - Bericht Ärztlicher Leiter Rettungsdienst  

Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit
TOP: Ö 6
Gremium: Ausschuss für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit Beschlussart: (offen)
Datum: Di, 21.05.2019 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 17:40 Anlass: Sitzung
Raum: Sitzungssaal des Kreishauses Syke
Ort: Amtshof 3, 28857 Syke
 
Wortprotokoll

Wortprotokoll:

IVENA

 

Der Ärztliche Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) Herr Ostmeier informiert über IVENA. IVENA ist ein Interdisziplinärer Versorgungs-Nachweis internetbasierter Art, in dem die Versorgungs- und Behandlungskapazitäten der teilnehmenden Kliniken in Echtzeit eingesehen werden können. Mittels Patientenzuweisungscodes (PZC) wird das nächste geeignete Krankenhaus gesucht und der Patient / die Patientin der Klinik direkt zugewiesen. Lediglich bei kritisch Kranken erfolge auch ein Telefonat im Sinne eines Arzt-zu-Arzt-Gespräches. Im Koalitionsvertrag der Landesregierung 2017 sei die Absicht dokumentiert, IVENA in Niedersachsen landesweit einzuführen. Am 18.06.2018 sind die Kliniken im Landkreis Diepholz im System IVENA ans Netz gegangen. Dies erfolgte zuerst zwei Wochen im Probebetrieb, dann ab dem 02.07.2018 im Realbetrieb. Seitdem laufe das System gut, teilt Herr Ostmeier mit. Es finde ein regelmäßiger Austausch aller Beteiligten statt: Kliniken, Rettungsleitstelle, ÄLRD für den Rettungsdienst. Aktuell sei der Termin für das nächste Evaluationsgespräch in Planung. Der Ärztliche Leiter Rettungsdienst Herr Ostmeier erklärt, das System IVENA sorge für klare Definitionen der Behandlungs- und Versorgungskapazitäten der Kliniken im Sinne einheitlicher Angaben. Ferner erlaube es eine gute Transparenz. Die Kliniken erhielten so zeitnah vorab Informationen zu dem Patienten / der Patientin. Die Anwendung ermögliche zudem eine überregionale Zusammenarbeit und biete eine umfassende detaillierte Ressourcenübersicht.

 

 

Notfallsanitäterin oder Notfallsanitäter (NFS)

 

Im Januar 2014 trat das Notfallsanitätergesetz in Kraft. Hiermit wurde ein neues Berufsbild mit einer dreijährigen Berufsausbildung geschaffen, welches Kompetenzen zum Durchführen heilkundlicher Maßnahmen unter Aufsicht des ÄLRD bekommen habe, erklärt Herr Ostmeier. In den beiden Rettungsdienstbetrieben im Landkreis gebe es Auszubildende in diesen Berufen und bereits die ersten Mitarbeiter, die diese neue Ausbildung durchlaufen hätten. Parallel würden die sogenannten Notfallsanitäterergänzungslehrgänge und prüfungen von Rettungsassistenten besucht. Wer mindestens fünf Jahre als Rettungsassistent gearbeitet habe, absolviere eine 480-stündige Fortbildung, bei einer geringeren Berufserfahrung seien es 960 Stunden. Danach könne die Notfallsanitäterergänzungsprüfung abgelegt werden. Herr Ostmeier erklärt, dass nach dem Niedersächsischen Rettungsdienstgesetz (§ 10 Abs. 2) ab dem Jahr 2023 eine Notfallsanitäterin oder Notfallsanitäter als Transportführer/in auf einem Rettungswagen eingesetzt werden müsse. Bereits jetzt würden beide Rettungsdienstbetriebe im Landkreis ausreichend qualifizierte Mitarbeiter besitzen, um dieser Vorgabe gerecht werden zu können. Der Großteil der Mitarbeiter sei letztes Jahr qualifiziert worden bzw. werde dieses Jahr entsprechend qualifiziert.

 

 

Neue Beatmungsgeräte auf den Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF)

 

Herr Ostmeier berichtet, dass für die NEF neue Beatmungsgeräte beschafft wurden. Diese würden demnächst in den Fahrzeugen verlastet. Die neuen Beatmungsgeräte würden neben den vorherigen Funktionen zusätzlich die Möglichkeit einer nichtinvasiven Beatmung (NIV) bieten, um eine mit einer Maske assistierten Beatmung zu ermöglichen. Dies sei insbesondere bei schwer lungenkranken Patienten wertvoll, um ggf. eine Narkose und invasive Beatmung zu vermeiden.

 

Herr Speckmann, Leiter des Fachdienstes Bevölkerungsschutz, möchte zu dem Thema IVENA ergänzen, dass der Landkreis landes- und bundesweit bei dem Projekt weit voraus sei. Das Programm IVENA komme ursprünglich aus dem Bundesland Hessen und wurde auf Initiative des Landes Hessen entwickelt und habe sich dort schnell etabliert. Die Kollegen im Oldenburger Land sowie in Bremen seien auf das System aufmerksam geworden. Dort wurde es erst probeweise und später im Echtbetrieb eingeführt, der Landkreis Diepholz sei im letzten Jahr mit eingestiegen. Herr Speckmann erklärt weiter, dass dabei vor allem die Kliniken gefordert seien, die Daten minutenaktuell in des System einzugeben, damit die Leitstelle oder der Rettungswagen erkennen könne, in welches Krankenhaus der Patient transportiert werden könne. Herr Speckmann betont, dass das System verbindlich sei, wer an dem System teilnehme, müsse die Patienten auch aufnehmen. Ein deutlicher Vorteil für den Landkreis Diepholz sei es, dass alle Nachbarkreise, bis auf Minden-Lübbecke, an dem Projekt IVENA teilnehmen. Zurzeit sei dies nur bei ungefähr 40 % der Landkreise in Niedersachsen der Fall.

 

Frau Söfty möchte wissen, was passiere, wenn sie in dem Rettungswagen liege und nicht in das vorgegebene Krankenhaus möchte, da es in Deutschland nun mal die freie Arzt- und Krankenhauswahl gebe.

 

Herr Ostmeier erklärt als Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, dass der Patient dies kundtun könne und der Wunsch grundsätzlich berücksichtigt werden müsse. Dies habe aber verständlicherweise seine Grenzen, z.B. bei einer gewünschten Fahrt bis zu einem Krankenhaus in Hamburg. In diesem Fall werde mit dem Patienten eine tragbare Lösung gefunden.