Auszug - Beschluss zur Weiterentwicklung der Fachberatung bei sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Landkreis Diepholz (Beratungsstelle Papillon)  

Sitzung des Jugendhilfeausschusses
TOP: Ö 4
Gremium: Jugendhilfeausschuss Beschlussart: ungeändert beschlossen
Datum: Do, 06.06.2019 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 18:05 Anlass: Sitzung
Raum: Großer Sitzungssaal des Kreishauses Diepholz
Ort: Niedersachsenstraße 2, 49356 Diepholz
VO/2019/124 Beschluss zur Weiterentwicklung der Fachberatung bei sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Landkreis Diepholz (Beratungsstelle Papillon)
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage öffentlich
Unterzeichner/in:In Vertretung: gez. Tammen
Federführend:FD 51 - Jugend   
 
Wortprotokoll
Beschluss
Abstimmungsergebnis

Wortprotokoll:

Herr Albers leitet den Vortrag zur Beratungsstelle Papillon ein und übergibt das Wort an Frau Burgdorf und Frau Rieken. Nachdem sich Frau Burgdorf und Frau Rieken kurz selbst vorgestellt haben, stellen sie mittels einer Präsentation (ist dem Protokoll als Anlage beigefügt) die Beratungsstelle Papillon vor. In der Präsentation gehen sie auf das Fachteam, auf die Zielgruppe des Angebotes, auf Zahlen und Daten aus dem Jahr 2018, auf wichtige Fakten zum Thema sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen sowie auf die Qualitätssicherung des Beratungsangebotes ein.

 

Herr Albers bedankt sich für den Vortrag und fügt ergänzend hinzu, dass es sich bei der Beratungsstelle Papillon um eine niedrigschwellige Anlaufstelle zur Beratung Betroffener und Angeriger handelt, die zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Es handelt sich nicht um die Aufklärung von solchen Taten, dieses liege in der Zuständigkeit der Polizei.

 

Herr Kawemeyer fragt nach, warum bei geschätzten 6000 betroffenen Kinder und Jugendliche im Landkreis Diepholz es nur 38 Beratungsfälle gegeben hat. Eine solche hohe Zahl von Betroffenen widerspricht der geringen Zahl an Beratungen. Als einen Grund hierfür nennt Frau Burgdorf das große Schamgefühl bei Betroffenen. Es kostet große Überwindung, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Daneben kommt ein Großteil der Täter aus dem familiären Umfeld (ca. 70%). Gegen diese vorzugehen, kostet noch mehr Überwindung. Hinzu kommen Ängste der Betroffenen, dass ihnen nicht geglaubt wird. Weiter nehmen es betroffene Kinder in Familien zum Teil als „normal“ hin

 

Herr Albers ist der Auffassung, dass das Thema mehr Gehör bekommen sollte und in einer künftigen Sitzung als Tagesordnungspunkt wieder aufgegriffen werden sollte. Dieser sollte u.a. Punkte beinhalten wie „Was ist sexuelle Gewalt“ und „Unterschiede von sexueller Gewalt“. Denn nur bei einem geringen Anteil der Fälle handelt es sich um eine körperlich übergriffige Gewalt.

 

Frau Rieken greift die genannte Dunkelziffer in Höhe von ca. 70% der innerfamiliären Übergriffe nochmal auf. Sie stellt sich die Frage, welcher Erwachsene in der Familie was gegen einen Verwandten sagen würde, selbst wenn ihm etwas komisch vorkäme. Auch bei den Erwachsenen wiege das Schamgefühl schwer. Deswegen sei die Prävention die beste Möglichkeit, um zukünftige Fälle der sexuellen Gewalt besser verhindern zu können.

 

Frau Winkler meldet sich zu Wort und bedankt sich für den Vortrag. Sie würdigt die Arbeit der Beratungsstelle. Bei den Zahlen handelt es sich aber nur um die Spitze des Eisbergs. Auch andere Beratungsstellen haben Berührungen zu dieser Thematik, so auch Beratungsstellen der Diakonie. Frau Winkler bestätigt, dass Betroffene (oftmals Jungen, Mädchen und junge Frauen) ein gutes soziales Umfeld benötigen, um sich zu trauen, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Eben dieses soziale Umfeld sollte gut vernetzt und ausgeprägt sein, um Missbrauchsfälle vermeiden zu können. Aufgrund des sehr großen Bedarfes befürwortet sie die weitere Stelle in der Beratungsstelle Papillon und spricht sich für eine bessere Vernetzung aus.

 

Herr Schnieder fragt an, ob Statistiken bekannt wären, die bei Missbrauchszahlen zwischen „normalen“ Familien und Patchwork-Familien unterscheiden sowie zwischen städtischen und ländlichen Regionen. Frau Tammen, Frau Burgdorf und Frau Rieken geben an, dass es sich um Bundesstatistiken handele, bei denen es keinen Unterschied zu den angefragten Hintergründen der Betroffenen gebe. Herr Scholz merkt an, dass es sich um Statistiken von Fachleuten zu sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen handele, die ernst zu nehmen sind. Eine separate Betrachtung auf Patchwork-Familien macht keinen Sinn. Auf Einwand von Herrn Schnieder bekräftigt Herr Scholz die Aussage, dass sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen nichts mit der Form der Lebensgemeinschaft zu tun hat. Auch Frau Rieken betont, dass die Familienstruktur dabei nicht relevant ist. Es hängt von den Einzelpersonen ab.

Dieser Auffassung schließt sich auch Herr Albers an.

 

Herr Jäger berichtet von der Juleica-Schulung für 15 bis 17-jährige. In der Schulung wird 3 Stunden lang das Thema Kindeswohlgefährdung behandelt. Oftmals haben die Teilnehmer über das Thema Kindeswohlgefährdung bis zu dem Zeitpunkt noch nicht nachgedacht. In Schulen und anderen Institutionen wird darüber zu selten gesprochen. Präventionsmaßnahmen müssten erht werden.

 

Frau Hafer betont unter Hinweis auf den „Tag der offenen Tür“ zum Jubiläum der Beratungsstelle in Diepholz, dass Werbung und Öffentlichkeitsarbeit wichtig sei, damit das Beratungsangebot auch bekannt gemacht und wahrgenommen werde.

 

Herr Struthoff teilt mit, dass die CDU-Fraktion für den Beschlussvorschlag stimmen wird. Er unterstreicht anhand von Beispielen die Wichtigkeit des sozialen Umfeldes bei dem Thema sexuelle Gewalt.

 

Herr Schnieder erkundigt sich, warum es bisher nur 38 Beratungsfälle gegeben hat. Frau Burgdorf und Frau Rieken erläutern, dass es die Beratungsstelle erst seit  1,5 Jahren gibt. Das Beratungsangebot müsse weiter bekannt gemacht werden. Hinsichtlich der Fallzahl erutern sie weiter, dass dahinter oftmals ganze Familien stehen, die einen Beratungsbedarf haben. Es sind nicht nur die 38 Betroffenen.

 

Herr Albers verdeutlicht, dass sich die Beratungsstelle noch im Aufbau befindet. Eine Verstärkung der Prävention ist dringend notwendig. Auch muss für die Beratung mehr Personal vorhanden sein. Insoweit sei die Richtung, die mit der Vorlage verfolgt werde, zu unterstützen. Er leitet dann zur Abstimmung über.

 

Nach Abstimmung verlassen Frau Burgdorf, Frau Rieken und Herr Jäger die Sitzung.


Beschluss:

Der im Sachverhalt beschriebenen Weiterentwicklung der Fachberatung bei sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen wird zugestimmt.

Die Verwaltung wird beauftragt, die notwendigen Schritte zur Umsetzung einzuleiten.

 

Die hieraus resultierenden haushalts- und stellenplanrelevanten Veränderungen werden in den Haushaltsplanentwurf 2020 eingearbeitet.

Abstimmungsergebnis:

Abstimmungsergebnis:

Einstimmig

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Präsentation Beratungsstelle Papillon (1325 KB)