Auszug - Bericht über die diesjährigen Jugendfreizeiten des Fachdienstes Jugend  

14. Sitzung 2004 (12. Sitzung VII.) Jugendhilfeausschuss
TOP: Ö 7
Gremium: Jugendhilfeausschuss Beschlussart: (offen)
Datum: Di, 28.09.2004 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 15:35 - 18:50 Anlass: Sitzung
Raum: Jugend- und Kulturzentrum der Stadt Syke
Ort: Am Lindhof 1, 28857 Syke
 
Wortprotokoll

Jugendpfleger Linten berichtet dem Ausschuss, der Fachdienst Jugend habe in diesem Jahr, wie auch in den vergangenen Jahren, d

 

Jugendpfleger Linten berichtet dem Ausschuss, der Fachdienst Jugend habe in diesem Jahr, wie auch in den vergangenen Jahren, drei Kinderfreizeiten und eine Jugendfreizeit durchgeführt. In einer Lichtbildpräsentation stellt er den organisatorischen, inhaltlichen und konzeptionellen Rahmen der Freizeiten vor.

 

Herr Linten fasst zusammen, im Jahre 2004 haben insgesamt 102 Kinder an den Ferienfreizeiten teilgenommen. Bei den Kinderfreizeiten handele es sich um Freizeiten, die nicht offen ausgeschrieben werden. Die Kinder werden ausschließlich von den Kollegen/innen des Fachdienstes angemeldet. Dieses Verfahren habe sich bewährt, weil gerade diese Zielgruppe eines solchen Angebotes bedarf. Die ausgewählten Kinder seien regelmäßig nicht in Jugendgruppen organisiert, werden aus Klassengemeinschaften ausgeschlossen und dürfen ev. an Klassenfahrten nicht mehr teilnehmen. Für die teilnehmenden Kinder sei die Freizeit oftmals der erste Urlaub, verbunden mit dem Erlebnis, dass sie einen solchen Zeitraum in einer Gruppe „aushalten“. Letztlich bieten die Freizeiten für die Familien der Kinder eine nicht zu unterschätzende Entlastung. Der Teilnehmerkreis erfordere eine pädagogische Betreuung und einen hohen Betreuungsschlüssel.

 


Die Kreisjugendpflege zeichne sich verantwortlich für die Rahmenorganisation, insbesondere Auswahl und Schulung der Betreuer. Die Planung und Betreuung der Veranstaltung erfolge durch die Betreuerteams. Zwischen den Freizeitteams und den Mitarbeitern des Allgemeinen Sozialen Dienstes finde ein intensiver Austausch statt, insbesondere im Anschluss an die Freizeiten. Infolge der gewonnenen Einblicke können den Kindern oftmals adäquatere Hilfen angeboten werden.

 

Zusammenfassend sei festzustellen, dass die Freizeiten ein unverzichtbares niedrigschwelliges präventives Angebot für die Kinder und Familien darstellen.

 

Es folgt ein eindrucksvoller Videofilm mit Sequenzen aus der Ferienfreizeit in Dülmen. Zusammengestellt wurde der Film von Herrn Garbers, der als Betreuer in Dülmen eingesetzt war.

 

Frau Beuke, Leiterin der Kinderfreizeit Dülmen, stellt sich kurz dem Ausschuss vor und richtet zunächst einen großen Dank an die Kollegen des ASD für das Feedback im Anschluss an die Freizeit. Sie nimmt Bezug auf den Film und berichtet kurz zum Programm, den Angeboten und Aktivitäten. Die teilnehmenden Kinder seien in der Regel verhaltensauffällig oder sogar –gestört und stammen zum Teil aus schwierigen Familienverhältnissen. Dies werde sehr schnell, oftmals schon bei der Anreise im Bus, deutlich. Frau Beuke schildert und belegt an einem Beispiel, dass die Betreuer/innen während der Freizeiten aufschlussreiche und unverzichtbare Einblicke, z.B. in Familienstrukturen, Einflüsse und Hintergründe gewinnen, die durch Weitergabe an den Allgemeinen Sozialen Dienst dazu führen, dass zielgerichtete adäquate Maßnahmen eingeleitet werden können. Die Leiterin zeigt auf, dass die Freizeiten trotz des hohen Personalschlüssels hohe Anforderungen an Belastbarkeit und fachliche Kompetenz der Betreuer/innen stellen.

 

Im Anschluss berichtet Frau Brunke, Leiterin der Ferienfreizeit Fürstenberg, dem Jugendhilfeausschuss. In diesem Jahr habe man mit den Kindern unter dem Motto „Ritter und Rabauken“ das Thema Mittelalter aufbereitet und sehr schöne Sachen gemacht, z.B. mit dem Schwert in der Hand barfuss den Wald erkundet, Kinder zu Rittern geschlagen oder zum Burgfräulein ernannt. Die Kinder hätten Gelegenheit gehabt sich auszuprobieren, ihre körperlichen Grenzen zu erleben und neue Erfahrungen zu sammeln. Beim Bau von Laubhütten konnten auch die etwas schlichteren Kinder sich beweisen und Erfolge verbuchen. Zur Ferienfreizeit gehöre auch der Besuch beim Arzt. Nicht selten ergeben sich auch hierbei Erkenntnisse, wie z.B. Sehbehinderung, Allergien, die für die weitere Betreuung des Kindes von Bedeutung seien. Frau Brunke schildert, dass einige Kinder regelmäßig an den Freizeiten teilnehmen. Sehr schön sei es zu sehen, dass eingeleitete Maßnahmen fruchten und auch dies an die Kollegen/innen im ASD rückzumelden.

 

Herr Albers, Leiter der Freizeit nach Bad Bederkesa, zeigt auf, dass die Ferienfreizeiten für alle Beteiligten wertvolle Erfahrungen mit sich bringen. Es gäbe auch Jugendliche, die mit 15 Jahren noch einnässen, geschlagen oder missbraucht werden, was sich oftmals auf den Freizeiten offenbaren würde. Die teilnehmenden Kinder seien auch regelmäßig nicht in Vereinen organisiert und werden auch auf Klassenfahrten nicht mehr mitgenommen. Es sei nicht Anspruch der Betreuer, die Jugendlichen in diesen Tagen zu erziehen, sondern Verhaltensweisen und Regeln vorzuleben, z.B. die gemeinsame Einnahme von Malzeiten, das Lösen von Konflikten ohne körperliche Gewalt. Für die Jugendlichen seien das zum Teil ganz neue Erfahrungen und Perspektiven.

 

Weiter schildert Herr Albers, dass auch die daheimgebliebenen Familien von den Freizeiten profitieren. Für die Eltern ergebe sich Gelegenheit, die Aufmerksamkeit auf die verbliebenen Kinder oder die Partnerschaft zu richten, oder einfach mal Kraft zu tanken. Herr Albers berichtet, dass in Einzelfällen bereits Minderjährige innerhalb der Familien Gewalt ausüben.

 


Für die Betreuer, in der Regel mit pädagogischer Ausbildung, bedeuten die Freizeiten neben harter Arbeit einen wertvollen Einblick in die Praxis. Der hohe Betreuerschlüssel sei notwendig, da regelmäßig 2 – 3 Jugendliche Einzelbetreuung benötigen. Dennoch habe man in diesem Jahr sechs Familien und in zwei Fällen den Sozialarbeiter verständigen müssen. Herr Albers zeigt auf, dass diese Freizeiten in keiner Weise mit den Freizeiten, wie er sie früher mit Sportvereinen durchgeführt habe, zu vergleichen sein.

 

Herr Linten führt auf Anfrage von Frau Roitsch-Schröder aus, die Erhebung von Kosten sei für die Wertschätzung des Angebotes unverzichtbar. Es erfolge jedoch eine Berücksichtigung der Einkommensverhältnisse durch Staffelung der Beiträge. Im Bedarfsfalle werde der Beitrag gestundet oder minimiert. Der Bedarf gehe oftmals über das Platzangebot hinaus. Wegen des erheblichen Betreuungserfordernisses sei eine Erweiterung des Angebotes jedoch schwierig.

 

Auf Anfrage von Herrn Sowade wird klargestellt, dass es sich bei den Ferienfreizeiten nicht um „Erlebnispädagogik“ handele. Ein solches Angebot bestehe im Landkreis Diepholz nicht.

 

Nachdem sich keine weiteren Anfragen ergeben, spricht Herr Schumacher den Leitern der Freizeiten sowie allen weiteren Mitarbeitern Dank für die wertvolle Arbeit aus.