Auszug - Jahresberichte 2005 der Eltern- und Erziehungsberatungsstellen im Landkreis Diepholz a) Beratungsstelle Diepholz b) Beratungsstelle Syke c) Beratungsstellen der Diözese Osnabrück Sulingen/Bassum  

23. Sitzung 2006 (21. Sitzung VII.) Jugendhilfeausschuss
TOP: Ö 4
Gremium: Jugendhilfeausschuss Beschlussart: (offen)
Datum: Mi, 20.09.2006 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 18:05 Anlass: Sitzung
Raum: Großer Sitzungssaal des Kreishauses Diepholz
Ort: Niedersachsenstraße 2, 49356 Diepholz
 
Wortprotokoll

Stellvertretende Vorsitzende Schlegel weist auf die der Einladung beigefügten Berichte der Beratungsstellen hin und übergibt d

Stellvertretende Vorsitzende Schlegel weist auf die der Einladung beigefügten Berichte der Beratungsstellen hin und übergibt das Wort zunächst an Frau Freudenstein, die Leiterin der EB Syke.

 

Frau Freudenstein erläutert dem Ausschuss anhand von Folien (Anlage 1) Entwicklungen und Auffälligkeiten in der Beratungsarbeit. Danach habe sich über die letzten 10 Jahre der Anteil der Trennungs- und Scheidungsberatungen an der Zahl der Gesamtberatungen mehr als verdoppelt. Auffällig sei, dass der Anteil der Beratung für/mit Jugendlichen, die nicht bei beiden leiblichen Eltern leben, kontinuierlich zunehme; hingegen der Anteil der Beratung von alleinerziehenden Eltern relativ konstant geblieben sei. Ursächlich für diese konträre Entwicklung ist vermutlich der Umstand, dass Familienmitglieder zunehmend in Patchwork-Familien leben.

 

Aus der Veränderung der Beratungsbedarfe resultiere eine Verschiebung der Beratungssituationen. Zunehmend stehen Rollenkonflikte, Beziehungsunsicherheiten, Kompetenzfragen und Selbstunsicherheiten im Vordergrund.

 

Bei der Anzahl der Neuanmeldungen sei über die Jahre hinweg nur ein leichter Anstieg festzustellen. Bezüglich der Auslastung der EB Syke müsse jedoch berücksichtigt werden, dass in den vergangenen Jahren Stellenanteile abgebaut wurden und sich die Anforderungen und Strukturen der EB (z.B. Präsenzbedarf in Gremien) verändert haben.

 

Anhand einer Darstellung zur sozioökonomischen Situation der ratsuchenden Familien (Momentaufnahme, Herbst 2005 - Anlage 2) belegt Frau Freudenstein, dass das Klientel der Elternberatungsstellen fast ausschließlich über mittlere Einkommen verfügt oder in schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen lebt.

 

Frau Freudenstein berichtet, dass man Ende 2005 die Datenerhebung zur sozioökonomischen Situation in Zusammenarbeit mit der EB Diepholz modifiziert habe und präsentiert dem Ausschuss die ersten Ergebnisse anhand von Grafiken (Anlage 3). Im Ergebnis sei festzustellen, dass die Behauptung, „ die Elternberatungsstellen bedienen die Reichen“, nicht der Realität entspricht.

 

Auf Anfragen der Kreistagsabgeordneten Schlegel und Könemund schildert Frau Freudenstein, dass die „Wartezeit“ gegenwärtig nicht mehr als 6 Wochen betrage; in Einzelfällen, z.B. wenn Jugendliche sich selbst anmelden, agiere man schneller. Nach ihrer Einschätzung reagieren Ratsuchende auf lange Wartezeiten, indem sie das Beratungsangebot der EB nicht nachfragen, so dass sich die Wartezeiten in einer Art Wellenbewegung entwickeln.

 

Kreistagsabgeordnete Heckmann nimmt Bezug auf das im Jahresbericht der Beratungsstelle Syke erstellte Zahlenwerk. Sie vermisse eine Analyse bezüglich der Wirkungsweise und Effizienz der Elternberatung sowie ein Fazit für Handlungsnotwendigkeiten der Zukunft.

 

Frau Freudenstein zeigt auf, dass seitens der Elternberatungsstellen keine aufwendigen Analysen durchgeführt werden können. Bezüglich der Wirkungsweise von Elternberatungsstellen weist sie auf die Ergebnisse der letzten Jugendhilfeeffektstudie hin. Die von der EB Syke erhobenen Zahlen, u.a. bezüglich des Zusammenhangs von Alter und Beratungsbedarf, spiegeln einen bundesweiten Trend wieder. Die Leiterin der EB Syke erläutert, erster spürbarer Beratungsbedarf ergebe sich, wenn die Kinder aus den Familien rausgehen (Kindergartenalter). Eine nochmalige Steigerung zeichne sich im Zusammenhang mit Leistungsanforderungen (Schule) ab. Die Ergebnisse zum Wohnsitz des Kindes spiegeln den Einzugsbereich der EB wieder.

 

Stellvertretende Fachdienstleiterin Schwartz nimmt ebenfalls Bezug auf die Effekthilfestudie 2002 bis 2005 und ergänzt, dass bei einer bundesweiten Evaluation von Hilfen festgestellt worden sei, dass die Erziehungsberatungsstellen in ihrer Wirkungsweise am effektivsten sind. Dies resultiere aus dem Prinzip der Freiwilligkeit der Hilfesuchenden, der kostenfreien Beratung und des vertrauensvollen Beratungsrahmens. Bei den Ratsuchenden handele es sich überwiegend um Familien mit einer Eigenmotivation Veränderungen zu erzielen und damit nicht um die eigentliche Zielgruppe des Allgemeinen Sozialdienstes. Die Elternberatungsstellen seien eine der effekt- und wirkungsvollsten Hilfen des Jugendamtes mit hohem präventivem Charakter.

 

Herr Röhrbein-Kuntze, Leiter der Elternberatungsstelle Diepholz, berichtet von Befragungen der Klienten zur Kundenzufriedenheit und zum Beratungserfolg, die die EB in zeitlichen Abständen von ca. 3 Jahren in Eigenregie durchführt. Eine überdurchschnittliche Rücklaufquote von 50% und einem Anteil von zufriedenen bis sehr zufriedenen Äußerungen von 90% werte er als ein sehr positives Ergebnis.

 

Frau Schlegel und Frau Roitsch-Schröder fragen nach den Auswirkungen der Nichtwiederbesetzung der Stelle des Schulpsychologischen Dienstes im Landkreis Diepholz.

 

Herr Röhrbein-Kuntze berichtet von einer Verdoppelung der Sonderschulzuweisungen und sieht hier einen offensichtlichen Effekt. Auch stellvertretende Fachdienstleiterin Schwartz hat bereits in Ermangelung eines Schulpsychologen vermehrte Anfragen u.a. im Bereich § 35 a KJHG, z.B. bei Hochbegabung, registriert.

 

Frau Schlegel kritisiert diese Entwicklung vor dem Hintergrund der finanzpolitischen Auswirkungen.

 

Es folgt ein Bericht durch Herrn Röhrbein-Kuntze zur Tätigkeit der Beratungsstelle Diepholz. In Ergänzung der schriftlichen Berichterstattung zeigt er auf, dass ein wesentlicher Schwerpunkt der präventiven Aktivitäten im Berichtsjahr in der Verbesserung der Kooperation zwischen den Beratungsstellen und den Schulen lag. Als Folgeprojekt, der in den letzten Jahren durchgeführten Fortbildungsreihe „Frühe Gewaltprävention im Kindergarten“, habe man im Berichtsjahr eine Fortbildungsreihe für Grundschulen zum Thema „Gewaltprävention in Grundschulen“ konzipiert. Im Rahmen der Fortbildung werden mit dem gesamten Kollegium Themen erarbeitet, um zu einem regelhaften Umgang mit Gewalt in Grundschulen zu kommen bzw. dieser Thematik frühzeitig begegnen zu können.

 

Ein weiteres Kooperationsprojekt bezieht sich auf die Förderung von Lehrerkompetenzen im Bereich „Lese- und Rechtschreibförderung“. Die Fortbildung versetze Lehrer in die Lage, eine Lese- und Rechtschreibstörung zu erkennen und den Schülern bereits in der Schule notwendige Hilfestellungen zu bieten. Des Weiteren bestehe seitens der Pädagogen auch die Bereitschaft, kostengünstige Therapien anzubieten. Dies bedeute einen doppelten Effekt, da einerseits Förderfälle durch Früherkennung und geeignete Maßnahmen vermieden werden können und darüber hinaus kostengünstige Fördermöglichkeiten bestehen.

 

 

Abschließend berichtet Herrn Melnyk, Leiter der Psychologischen Beratungsstellen Sulingen (Erziehungsberatung) und Bassum (Partnerschafts- und Lebensberatung) in Trägerschaft des Bistums Osnabrück. Danach habe man in Sulingen im Berichtsjahr die höchsten Anmeldezahlen seit Jahren registriert. In der Hälfte der Fälle war mindestens ein Kind oder ein Jugendlicher von Scheidung oder Trennung der Eltern betroffen.

 

Der Tätigkeitsbericht für Bassum zeige einen großen Umfang (56%) von Paarberatungen im Rahmen von § 17 KJHG. Diese Beratungsarbeit habe im Hinblick auf Jugendhilfe ebenfalls sehr starken präventiven Charakter.

 

Als sehr wohltuend und förderlich für die Zusammenarbeit schildert  Herr Melnyk die Verortung des Sozialraumteams Sulingen und Ansiedlung der freien Träger in unmittelbarer Nachbarschaft.

 


Herr Melnyk führt weiter aus, dass sich die Wartezeiten für die Ratsuchenden in der Erziehungsberatung Sulingen aufgrund der Zunahme bei den Anmeldezahlen um ca. 4 Wochen auf 8 bis max. 12 Wochen erhöht haben. In dringenden Fällen können kurzfristig Termine ermöglicht werden. In Bassum seien die Wartezeiten mit ca. 4 Wochen noch recht gering.

 

Herr Röhrbein-Kuntze stellt auf Anfrage von Herrn Wächter klar, dass in Anbetracht der steigenden Beratungsbedarfe und des gleichzeitigen Personalabbaus die Beratungsstellen bereits im „Roten Bereich“ arbeiten. Dies schlage sich u.a. in den verlängerten Wartezeiten nieder.

 

Nachdem der Erörterungsbedarf gedeckt ist und keine weiteren Wortmeldungen vorliegen, dankt Frau Schlegel für die Vorträge und schließt den Tagesordnungspunkt.