Auszug - Informationen und Aussprache zum Thema "Niedersächsische Ehrenamtskarte"  

8. Sitzung 2008 (28. Sitzung VII.) Jugendhilfeausschuss
TOP: Ö 6
Gremium: Jugendhilfeausschuss Beschlussart: (offen)
Datum: Do, 10.04.2008 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 15:00 - 18:20 Anlass: Sitzung
Raum: Sitzungssaal des Kreishauses Syke
Ort: Amtshof 3, 28857 Syke
 
Wortprotokoll

Herr Kowalzik stellt anhand mehrere Folien (s

Herr Kowalzik stellt anhand mehrere Folien (s. Anlage 1) von Herrn Fenker, dem zuständigen Mitarbeiter aus dem Landratsbüro, den Stand und das Verfahren zur Einführung der Ehrenamtskarte (E-Karte) in Niedersachsen vor. Hintergrund ist die Würdigung des bürgerschaftlichen Engagements von ca. 2,4 Mio. ehrenamtlich tätigen Menschen in Niedersachsen. Dazu sollen dieser Zielgruppe von der Nutzung kommunaler Einrichtungen bis hin zu Angeboten aus der Privatwirtschaft, bestimmte Vergünstigungen eingeräumt werden.

Herr Kowalzik macht deutlich, dass trotz des großen Erfolges, den eine vergleichbare Karte in Hessen hat, es in Niedersachsen nicht nur Befürworter für dieses Vorhaben gibt. Er verweist dazu auf eine Pressenotiz aus der „Neuen Presse“, wonach beispielsweise die Region Hannover aus Gründen des Finanz- und Verwaltungsaufwandes komplett auf eine Einführung der Ehrenamtskarte verzichten wird. Auch im Bereich des Sports und der Jugendarbeit, die bereits seit vielen Jahren über eigene Karten- und Vergünstigungssysteme verfügen, wird die Ehrenamtskarte kritisch gesehen und z.T. als Konkurrenz empfunden. Am Beispiel der Jugendleitercard, die seit 1998 bundesweit existiert und seit dem allein in Niedersachsen über 60.000 mal ausgestellt worden ist, macht Herr Kowalzik deutlich welche Folgen die Einführung der Ehrenamtskarte haben könnte und worauf seiner Meinung nach daher zu achten ist.


Er stellt klar, dass insbesondere die Jugendarbeit freier Träger von einer ausreichenden Zahl freiwilliger und qualifizierter Mitarbeiter abhängig ist. Da der Erwerb einer JuLeiCa, anders als bei der Ehrenamtskarte, bei der ausschließlich das jährliche Engagement zählt, eine mindestens 50-stündige Grundausbildung und weitere Qualifizierungskurse im Abstand von 3 Jahren voraussetzt,  muss sichergestellt sein, dass die Attraktivität der JuLeiCa nicht leidet. Herr Kowalzik regt dazu an, die Vergünstigungen für die Ehrenamtskarte so zu wählen, dass sie nicht denen der JuLeiCa gleichen und die neu für die E-Karte gewonnenen Ermäßigungen automatisch allen JuLeiCa-Inhabern zugänglich zu machen.

 

In der anschließenden Aussprache unterstreicht Frau Schönfeld die Gefahr, dass die 50-stündige Grundausbildung für Jugendleiter/innen entwertet werden könnte.

 

Herr Wächter weist auf die Gefahr von Gefälligkeitsbescheinigungen der Vereine bei der Ausgabe der Ehrenamtskarte hin.

 

Herr Jaeger sieht in der JuLeiCa einen Qualitätsausweis. Für ihn stellt die Ehrenamtskarte ein Rückschritt dar. Nach Aussage seiner Mitarbeiter aus der kirchlichen Jugendarbeit hat die JuLeiCa  gerade deshalb eine besondere Stellung, „weil sie nicht jeder hat“. Die durch sie zu erlangenden Vergünstigungen spielen dabei für ihre Besitzer eine nachrangige Rolle.

 

Auch Frau Grotjohann unterstreicht noch einmal den Qualitätsaspekt der Jugendleiter-ausbildung und befürchtet aufgrund des niederschwelligen Ausgabeverfahrens bei der E-Karte einige Missbräuche.

 

Frau Peukert sieht in vielen Bereiche Einsatzfelder für die Ehrenamtskarte, aber sie versteht auch die Sorgen der Jugendarbeit. Daher regt sie an, die Kriterien zum Erhalt der Ehrenamtskarte dem Niveau der Jugendleitercard anzupassen.

 

Herr Kawemeyer berichtet davon, dass der Gemeinderat Wagenfeld sich gegen die Einführung E-Karte ausgesprochen hat und stattdessen nach anderen Formen der Anerkennung sucht.

 

Da es immer schwerer wird Ehrenamtliche zu gewinnen, kommt es für Frau Heckmann darauf an, geeignete Wege zu finden, um auch zukünftig genügend Menschen für ehrenamtliche  Aufgaben zu begeistern.

 

Nach den Erfahrungen von Herrn Kowalzik sind den Ehrenamtlichen gute Rahmenbedingungen zur Ausübung ihres Ehrenamtes wichtiger und somit in seinen Augen motivationsfördernder als Vergünstigungen.

 

Herr Heitmann sieht die Ehrenamtskarte positiv. Ihre Einführung wird nach seiner Auffassung niemanden vor dem Erwerb der Jugendleitercard abhalten, da dahinter ausschließlich das Motiv steht, Jugendarbeit zu machen.

Er regt an, die Diskussion in den politischen Gremien im Landkreis weiter fortzusetzen und sich in naher Zeit erneut im Jugendhilfeausschuss mit dem Thema zu beschäftigen.