Auszug - Einrichtung eines interdisziplinären Früherkennungs- und Diagnostikteams zur Frühförderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder  

9. Sitzung 2009 (25. Sitzung VII.) Ausschuss für Jugend, Gesundheit und Soziales
TOP: Ö 5
Gremium: Ausschuss für Jugend, Gesundheit und Soziales Beschlussart: (offen)
Datum: Do, 02.04.2009 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 15:00 - 18:00 Anlass: Sitzung
Raum: Moorkirche der Diakonie Freistatt
Ort: Kirchstraße, 27259 Freistatt
18/2009 Einrichtung eines interdisziplinären Früherkennungs- und Diagnostikteams zur Frühförderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder
     
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage öffentlich
Federführend:FD 53 - Gesundheitsamt   
 
Wortprotokoll
Beschluss

Nach kurzer Einführung geht Frau Human auf Herrn Lensings Bemerkungen zu Beginn der Sitzung ein

Nach kurzer Einführung geht Frau Human auf Herrn Lensings Bemerkungen zu Beginn der Sitzung ein. Dessen Ausführungen seien einseitig gewesen. Es habe mehrere Gespräche zwischen dem Landkreis und den Lebenshilfen gegeben und die Lebenshilfeeinrichtungen im Landkreis seien darüber informiert worden, dass beabsichtigt sei, im Gesundheitsamt ein Früherkennungs- und Diagnostikteam einzurichten.

 

Frau Human führt die Argumente, die für die Einrichtung eines interdisziplinären Früherkennungs- und Diagnostikteam sprechen und deren Aufgaben auf und erklärt, dass die Lebenshilfen hier wichtige Partner seien.

 

Frau Sappa berichtet mediengestützt zur Einrichtung eines interdisziplinären Früherkennungs- und Diagnostikteams. Sie geht zunächst auf die Prävention ein, die die passgenaue Förderung der Kinder bzw. Familien zum Ziel haben soll. In diesem Zusammenhang gewinne die Sozialpädiatrie zunehmend an Bedeutung.

 

Frau Sappa geht auf §§ 4 und 5 des Niedersächsischen Gesetzes über den öffentlichen Gesundheitsdienst (NGöGD)ein, die Grundlage für die Einrichtung eines interdisziplinären Teams seien.

Das Kernteam bestehe aus einer Kinderärztin, einer Sozialpädagogin und einer medizinischen Therapeutin. Letztere solle für den Projektzeitraum von zwei Jahren zur Sicherstellung der Fachkompetenz mit 20 Stunden/Woche beschäftigt werden.  Im Bedarfsfall solle stundenweise eine Psychologin, eine Logopädin und ein Sprachheilberater hinzugezogen werden. Anschließend stellt Frau Sappa das sozialpädiatrische Zentrum vor und zeigt die in Niedersachsen liegenden Standorte solcher Zentren auf.

 

Frau Sappa geht auf die Heilpädagogik und die heilpädagogische Frühförderung ein und informiert zu den therapeutischen Arbeitsfelder u. a. Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie.

 

Abschließend erklärt Frau Sappa, dass eine Vernetzung der Aufgaben und  ein wertschätzender Umgang mit der Fachkompetenz und Entscheidungsbefugnis aller Beteiligten innerhalb ihres berufsspezifischen Aufgabenbereiches wichtig sei..

 

Herr Stahl nimmt Bezug auf die mit der Einladung versandte Sitzungsvorlage. Der Landkreis wolle interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bereich Früherkennung. Es solle jedoch keine interdisziplinäre Frühförderstelle i. S. d. Landesrahmenempfehlung eingerichtet werden.

 

Herr Stahl berichtet ebenfalls mediengestützt.

 

Das Gesundheitsamt wolle

 

·        interdisziplinäre Zusammenarbeit von qualifizierten medizinischen, medizinisch-therapeutischen und pädagogischen Fachkräften,

·        drohende oder bereits eingetretene Behinderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt erkennen,

·        die Behinderung durch gezielte Förder- und Behandlungsmaßnahmen ausgleichen oder mildern.

 

Auf die steigenden Fallzahlen im Bereich Frühförderung und die dadurch verursachten höheren Kosten müsse reagiert werden, indem Pädagogik, Medizin, Therapie und Psychologie interdisziplinär zusammen arbeiten. Es müsse eine umfassende Diagnostik durch den Landkreis erfolgen, Frühförderinhalte müssen detailliert dargestellt werden und die Ziele im Förderplan genau formuliert werden.

Ebenso müsse eine Darstellung des individuellen Förderbedarfs erfolgen. Als zentrales Steuerelement soll die Erstellung des Förderplans dienen, auf dessen Grundlage passgenaue Angebote entwickelt werden können.

 

Die Ziele seien der Wechsel von angebotsorientierten Leistungen hin zu differenzierten und individuellen Förderungen, die Steuerung der Entwicklung der Frühförderung durch den Landkreis und ein breites Frühförderangebot mit passgenauen Hilfen.

 

Durch das interdisziplinäre Früherkennungs- und Diagnostikteam soll erreicht werden, dass der jeweilige Hilfebedarf schneller, besser und langfristig gesehen finanziell günstiger gegeben werden kann.

 

Auf Frau Schlegels Aufforderung, Fragen zu stellen, schlägt Herr Püschel vor, Herrn Lensing nochmals Gelegenheit zu geben, sich zu äußern.

 

Dem Vorschlag wird bei zwei Enthaltungen statt gegeben.

 

Herr Lensing stellt klar, dass seine Hauptkritik gegen eine „abgeschwächte“ interdisziplinäre Frühförderstelle gerichtet ist. Die Landesrahmenempfehlungen geben klare Spielregeln für die Gestaltung der Frühförderung und müssen eingehalten werden. Er bittet nochmals, die Entscheidung zu verschieben.

 

Frau Human erklärt, es habe schon mehrere Gespräche zur Landesrahmenempfehlung gegeben. Die Lebenshilfeeinrichtungen haben sich der Landesrahmenempfehlung aber nicht angeschlossen und sich mit den Bedingungen der Landesrahmenempfehlung nicht einverstanden erklärt.

Die Einrichtung eines Interdisziplinären Frühförderteams im Sinne der Landesrahmenempfehlung sei zur Zeit im Gesundheitsamt nicht beabsichtigt und auch nicht notwendig. Es sollen keine Komplexleistungen angeboten werden, sondern die Einrichtung eines interdisziplinäres Team zur Früherkennung und Diagnostik sei der erste Schritt. Die therapeutischen Leistungen sollen wie bisher durch die guten und bewährten Partner im Landkreis, so auch die Lebenshilfeeinrichtungen erbracht werden. Am Ende des Projektzeitraumes von zwei Jahren sei darüber zu entscheiden, ob die Weiterentwicklung zu einer interdisziplinären Frühförderstelle für den Landkreis Diepholz notwendig und sinnvoll sei.

 

Herr Püschel fragt, wie die Krankenkasse an den Kosten beteiligt ist.

 

Frau Sappa erläutert, dass die heilpädagogischen Maßnahmen vom Landkreis bezahlt werden; bei den Komplexleistungen bezahlen die Krankenkassen einen Anteil.

 

Herr Stahl weist darauf hin, dass bisher noch keine Kommune im Land Niedersachsen eine interdisziplinäre Frühförderstelle als Komplexleistung anbiete. Die Gründe hierfür lägen in inhaltlichen Fragestellungen zur Früherkennung, in erheblichen organisatorischen Problemlagen und in Kostenrisiken, die noch nicht abschließend eingeschätzt werden können.

 

Im Landkreis Diepholz seien in den letzten Jahren Fallzahlsteigerungen im Bereich Frühförderung festzustellen und der Bedarf werde aufgrund der gesellschaftlichen und sozialen Gegebenheiten weiter steigen.

 

Frau Strake hält es für wichtig, dass es eine Anlaufstelle für die Betroffenen gibt und sieht es sehr positiv, dass das Gesundheitsamt eine solche kompetent und mit verschiedenen Fachleuten besetzte Anlaufstelle einrichten will.

Fraglich sei jedoch, was bisher nicht gut gelaufen sei und wo es gute Erfahrungen gäbe.

Sie betont, dass eine schnelle Umsetzung nach der Diagnostik erfolgen müsse, da dies wichtig für die Eltern sei. Frau Strake kritisiert, dass die Erfahrungen von Eltern oft nicht Ernst genommen werden.

 

Frau Sappa bezieht sich auf Frau Strakes Fragen. Es sei bisher zwar „gut gelaufen“, eine Verbesserung und Weiterentwicklung sei jedoch immer möglich. Die Umsetzung erfolge innerhalb einiger Wochen nach der Diagnostik; zur Zeit ergeben sich keine Wartezeiten.

 

Der Ausschuss für Jugend, Gesundheit und Soziales beschließt den Beschlussvorschlag einstimmig:

 

 

Die Verwaltung wird beauftragt, ein interdisziplin res Fr herkennungs- und Diagnostikteam zur Fr herkennung und Fr hf rderung

Die Verwaltung wird beauftragt, ein interdisziplinäres Früherkennungs- und Di a gnostikteam zur Früherkennung und Frühförderung behinderter und von Behinderung b e drohter Kinder einzurichten.

Das Diagnostikteam wird zunächst für einen Projektzeitraum von zwei Jahren mit dem Ziel eingerichtet, Erfahrungen und Kenntnisse zu sammeln. Am Ende des Pr
o jektzeitraumes wird darüber entschieden, ob die Weiterentwicklung zu einer interdi s ziplinären Frühförderstelle (IFF) für den Landkreis Diepholz notwendig und sinnvoll ist.

Zur Sicherstellung der Kompetenz für den medizinisch-therapeutischen Bereich wird eine Fachkraft (20Std./Wo) für den Projektzeitraum beschäftigt.