Vorlage - VO/2013/097  

Betreff: Fortführung der Aufgaben im Bereich der Jugendberufshilfen über das Projektende 2013 hinaus
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage öffentlich
Unterzeichner/in:Inge Human (i. V.)
Federführend:FD 51 - Jugend   
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss Vorberatung
13.06.2013 
Sitzung des Jugendhilfeausschusses geändert beschlossen   
Kreisausschuss Vorberatung
Kreistag Entscheidung
24.06.2013 
Sitzung des Kreistages ungeändert beschlossen   

Die Aufgaben einer Koordination der Jugendberufshilfen werden als Aufgaben im Bereich der Jugendsozialarbeit nach § 13 SGB VIII im Umfang einer 0,5 Stelle im Fachdienst Jugend nach dem Ende der bisherigen Projektlaufzeit über den 31

Beschlussvorschlag:

Die Aufgaben einer Koordination der Jugendberufshilfen werden als Aufgaben im Bereich der Jugendsozialarbeit nach § 13 SGB VIII im Umfang einer 0,5 Stelle im Fachdienst Jugend nach dem Ende der bisherigen Projektlaufzeit über den 31.12.2013 hinaus weitergeführt.

 

Dem Kreisausschuss und dem Kreistag wird empfohlen, dafür eine unbefristete 0,5 Stelle im Nachtragsstellenplan 2013 unter Berücksichtigung der Gegenfinanzierung, die unter Ziffer 1 der Sachverhaltsdarstellung beschrieben ist, vorzusehen.

Im Jahre 2010 wurde beim Landkreis Diepholz die Grundentscheidung getroffen, dem Bereich der Jugendberufshilfen insgesamt mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden, um die verschiedenen Leistungen, die in der Praxis oft nebeneinander angeboten werden, besser aufein

Sachverhalt:

Im Jahr 2010 wurde beim Landkreis Diepholz die Grundentscheidung getroffen, dem Bereich der Jugendberufshilfen insgesamt mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden, um die verschiedenen Leistungen, die in der Praxis oft nebeneinander angeboten werden, besser aufeinander abzustimmen und mit Blick auf die relevanten Zielgruppen stärker zu koordinieren.

 

Der Landkreis konnte dafür Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) im Rahmen des Projektes „Jugend stärken: Aktiv in der Region" (AiR) einwerben. Dadurch konnten für drei Jahre 1,6 Personalstellen geschaffen werden. Der Kofinanzierungsanteil des Landkreises hat ca. 33.000 € pro Jahr betragen. Die ESF-Förderung ist bis Ende 2013 befristet.

 

Neben der Koordination und Steuerung des Jugendberufshilfebereiches konnte AiR in den vergangenen drei Jahren Versorgungslücken im Übergangssystem aufzuspüren, passgenaue Maßnahmen für junge Menschen mit multiplen Vermittlungshemmnissen entwickeln und dabei Akteure an den Schnittstellen Schule, Arbeitsförderung und Jugendhilfe vernetzen.

 

Dazu wurden neue Wege der Integration junger Menschen, die an diesen Schnittstellen immer wieder verloren gehen, gefunden und erprobt.

 

Zeitgleich wurde zum 01.01.2011 auch das „Pro-Aktiv-Center (PACE)“ mit den dort z. T. schon beschäftigten Fachkräften dem Fachdienst Jugend zugeordnet. Mittlerweile ist das PACE im Landkreis an drei Büro–Standorten (Syke, Diepholz, Sulingen) mit weiteren Sprechzeiten in vier Kommunen (Wagenfeld, Weyhe, Stuhr, Sanierungsgebiet Moorstraße in Diepholz) vertreten. Die Beratungsangebote des PACE, die bereits seit 2004 im Landkreis existieren, sollen Jugendliche mit besonderem sozialpädagogischen Unterstützungsbedarf langfristig stabilisieren, sie beruflich integrieren und ihnen damit ein eigenständiges und von Sozialleistungen unabhängiges Leben ermöglichen.

 

Ohne das Angebot des PACE besteht die große Gefahr, diese Jugendlichen endgültig aus dem Vermittlungsprozess auszugrenzen.

 

Mit der Zuordnung beider Projekte zum Fachdienst Jugend und insbesondere mit dem damit verbundenen Koordinierungs- und Kooperationsauftrag sollten bessere Kommunikations- und Steuerungsansätze im Bereich der Jugendberufshilfen im Sinne eines durchgängigen Fördersystems realisiert werden. Der gesamte Aufgabenbereich ist seitdem als Teilgebiet der Jugendsozialarbeit (§ 13 SGB VIII) im Fachdienst Jugend dem Team Jugendarbeit zugeordnet worden.

 

Das gesamte Vorgehen in diesem Bereich ist am 29.10.2010 auch in einer Informations-vorlage für die Kreisausschuss-Sitzung dargestellt worden.

 

Die im Rahmen dieser Neustrukturierung seitdem eingeleiteten Initiativen sind durchaus als erfolgreich zu bewerten. Hierüber wurde unter anderem am 14. März 2013 ausführlich in der letzten Jugendhilfeausschusssitzung berichtet. In derselben Sitzung ist an die Verwaltung der Auftrag ergangen, Bedingungen auszuloten, unter denen die Arbeit beider Projekte fortgesetzt und finanziert werden kann.

 

Danach besteht für das PACE die durchaus realistische Chance, über einen Antrag an die NBank in gleichem Umfang und auf Basis der bestehenden Richtlinien für 2014 aus Landes- und EU-Mittel weitergefördert zu werden. Auch das Jobcenter hat signalisiert, weiterhin in gleicher Höhe seinen Beitrag für die Kofinanzierung einzubringen. Neuere Informationen aus Hannover geben Hoffnung, dass auch für 2015 noch eine weitere Finanzierung gesichert werden könnte. Dieses ist aber noch nicht endgültig verbindlich.

 

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Kompetenzagentur des Vereins Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. aus Barnstorf zukünftig keine Förderung aus dem Bundesprogramm „Jugend stärken“ erhalten wird und daher die Arbeit ab 2014 einstellen muss. Da sich das Aufgabenprofil der Kompetenzagentur in großen Teilen mit dem des PACE deckt, wurde in der Vergangenheit eine Absprache in der Zuständigkeit für bestimmte Regionen (z.B. Barnstorf/Twistringen) und bestimmte Zielgruppen (z.B. Migrant/-innen) getroffen. Die bisherige Tätigkeit der Kompetenzagentur gilt es mit dem vorhandenen Personalbestand des PACE zusätzlich abzudecken.

 

Auch für das Projekt „Aktiv in der Region" gilt nach dem Auslaufen der Bundesinitiative „Jugend Stärken“ gegenwärtig der Stand, dass nach Ende der Bewilligungsperiode 2013 keine Förderung mehr aus ESF-Mitteln erfolgen wird. Daher wurde in den letzten Wochen nach Möglichkeiten gesucht, wenigstens die Kernbereiche der bisherigen Aufgaben auf Dauer weiterführen zu können und dieses so weit wie möglich kostenneutral für den Haushalt des Landkreises umzusetzen.

 

 

Hierzu wurde folgender Vorschlag erarbeitet:

 

Im Nachtragsstellenplan 2013 soll die Einrichtung einer halben unbefristeten Stelle für die Koordination im Bereich der Jugendberufshilfen im Fachdienst Jugend (wirksam ab dem 01.01.2014 mit der Entgeltgruppe S 12) vorgesehen werden. Die jährlichen Finanz-mehraufwendungen im Haushalt würden sich dafür auf ca. 26.000 € belaufen. Die Realisierung der Stelle noch im Stellennachtragsplan 2013 ist erforderlich, damit die Aufgabe ohne Unterbrechungen weitergeführt werden kann.

 

Zur Gegenfinanzierung dieser Aufwendungen stehen dem Grunde nach unterschiedliche Finanzierungsquellen zur Verfügung:

 

1.      Nach dem Ausscheiden eines Mitarbeiters 2014 in Altersteilzeit wird die 0,5 Stelle im Team Jugendarbeit nicht wiederbesetzt, was einen Betrag von ca. 22.000 € ausmachen würde.

2.      Der Anteil der 20 %igen Kofinanzierung (Stellenanteil Verwaltungskraft und Verwaltungskosten) für das Projekt „Aktiv in der Region“ in Höhe von ca. 33.000 € muss durch den Landkreis mit Ende der Projektförderung nicht mehr aufgebracht werden.

3.      Da auch die Kompetenzagentur ab 2014 nicht mehr aus Bundes-/EU-Mitteln fortgeführt wird, entfallen auch hier Zuschüsse des Landkreises für die Kofinanzierung in Höhe von 20.000 

 

 

Die Verwaltung schlägt vor, eine 0,5 Stelle für die künftige Aufgabenwahrnehmung der Koordination der Jugendberufshilfen zu realisieren.

 

 

Dabei ist zu berücksichtigen, dass Aufgabenbereiche aus der Jugendarbeit dadurch eingeschränkt werden bzw. neu organisiert werden müssten. (Betroffen wären hiervon die Bereiche Freizeiten, Materialausleihe, Buchungen und die Bearbeitung von Versicherungsfällen in der Jugendarbeit.)

 

Auch der Aufgabenbereich der so zu schaffenden Koordinierungsstelle wäre noch im Detail neu zu ordnen. Hierbei könnten auch Koordinierungs- und konzeptionelle Arbeiten für den Bereich der Pro-Aktiv-Center gehören, wenngleich der Stellenumfang einer 0,5 Stelle dafür und für die weiteren Aufgaben eng bemessen ist.

 

Alle Aufgabenabstimmungen werden detailliert ausgearbeitet, sobald eine Grundsatzentscheidung vorliegt, ob die Koordinierungsaufgaben im Bereich der Jugendberufshilfe überhaupt in der oben beschriebenen Art und Weise auf Dauer beim Landkreis fortgeführt werden sollen.

 

Bei einem Wegfall dieser Aufgabenwahrnehmung könnten die strategischen Überlegungen zur Steuerung der Jugendberufshilfen, die im Jahre 2010 als dringend notwendig erachtet wurden (siehe oben) und auch in der strategischen Zielplanung des Landkreises ihren Ausdruck finden, nicht mehr weiter umgesetzt werden.

 

Die in diesem Bereich bisher geleistete wertvolle (Aufbau- und Grundlagen-) Arbeit der letzten Jahre würde mit dem Auslaufen der Aufgabenwahrnehmung ein Ende finden.

 

Hinzu kommt, dass die bisherige Stelleninhaberin über gute Qualifikationen verfügt und aufgrund ihrer Tätigkeiten in den letzten Jahren weitreichende Erfahrungen zur Situation der Jugendberufshilfen im Landkreis Diepholz gesammelt hat. Sie wäre also in besonderem Maße geeignet, die Aufgaben in modifizierter Form auch weiterhin fortzuführen - selbst wenn Fördermittel des ESF dafür nicht mehr zur Verfügung stehen.