Vorlage - VO/2015/159  

Betreff: Anpassung der Richtlinien zur Vergabe von Stipendien für Studierende der Humanmedizin (Medizin-Stipendium)
- Vergabe eines Teiles der Stipendienplätze ausschließlich für die Fachrichtung Allgemeinmedizin
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage öffentlich
Unterzeichner/in:Pragal (i. V.)
Federführend:FD 53 - Gesundheitsamt   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Jugend, Gesundheit und Soziales Vorberatung
17.09.2015 
Sitzung des Ausschusses für Jugend, Gesundheit und Soziales abgelehnt   
Kreisausschuss Vorberatung
Kreistag Entscheidung
05.10.2015 
Sitzung des Kreistages abgelehnt   
Anlagen:
Übersicht zur Änderung der Richtlinien zur Vergabe von Medizin-Stipendien  

Beschlussvorschlag:

Das Medizin-Stipendienprogramm des Landkreises wird in die 2 Stipendienarten „Allgemeinmedizin“ und „Offene Facharztrichtung“ aufgeteilt.

 

Von den jährlich ca. 5 zu vergebenden Stipendienplätzen sollen ab dem Wintersemester 2015/16 mindestens 60 %, d. h. 3 Plätze an Stipendiaten vergeben werden, die sich mit der Aufnahme in das Stipendienprogramm für die Fachrichtung Allgemeinmedizin verpflichten. Sie erhalten eine erhöhte Stipendienförderung von 450 € monatlich.

 

Die Richtlinien zur Vergabe von Stipendien für Studierende der Humanmedizin werden in der als Anlage beigefügten Fassung vom 18.08.2015 beschlossen. Sie treten mit Beginn des neuen Wintersemesters zum 01.10.2015 in Kraft.


Sachverhalt:

Der Kreistag hat im Jahr 2012 erstmalig die Richtlinien für die Vergabe von Medizinstipendien beschlossen. Diese sehen vor, dass sich die StipendiatInnen erst am Ende ihres Studiums auf eine der zehn voraussichtlich im Landkreis unterversorgten Facharztrichtungen festlegen müssen. Dieses Verfahren wurde seinerzeit bewusst so gewählt, damit die StudentInnen sich entsprechend ihren Neigungen und Fähigkeiten im Rahmen der zehn Fachrichtungen freier entscheiden können und die Attraktivität des Stipendiums nicht leidet.

 

Die Wahl der späteren Facharztrichtung am Studienende birgt allerdings die Gefahr der Fehlsteuerung. Sollten sich von den StipendiatInnen z. B. 10 für die Fachrichtung Urologie entscheiden, obwohl in dieser später lediglich 6 Fachärzte lt. Prognose der Kassenärztlichen Vereinigung benötigt werden, würden wir 4 StipendiatInnen die Ausbildung finanzieren, ohne später rechtlich in der Lage zu sein, die gezahlten Stipendienbeträge zurückfordern zu können.

 

Die Gefahr entsprechender Fehlinvestitionen aufgrund sehr begrenzter Steuerungsmöglichkeiten besteht bei der Überlassung der späteren Facharztwahl grundsätzlich. Sie wäre jedoch verringerbar, wenn der Landkreis seine Richtlinien anpasst und einen Teil der Stipendienplätze künftig nur noch für den elementar unterversorgten Bereich der Allgemeinmedizin reserviert.

 

Lt. Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung aus dem Jahr 2008, in der die Entwicklung der Arztzahlen für das Jahr 2020 prognostiziert wurde, werden – unter Zugrundelegung der Altersabgänge ab 68 Jahren – schätzungsweise mind. 76 Hausärzte im Planungsbereich Landkreis Diepholz/St. Delmenhorst fehlen. Legt man einen Altersabgang ab 60 Jahren zugrunde, würde sich die Zahl der fehlenden Hausärzte im Planungsbereich sogar auf ca. 127 Allgemeinmediziner erhöhen.

 

Unter Herausrechnung der Versorgungsbedarfe für die Stadt Delmenhorst (ca. 20 % der Einwohnerzahl am gesamten Planungsbereich) ergibt sich für den Landkreis Diepholz immer noch ein Bedarf von geschätzt ca. 60 - 100 Hausärzten. Gemessen an der Gesamtzahl der lt. KV-Prognose bis 2020 voraussichtlich fehlenden Fachärzte machen die Allgemeinmediziner einen Anteil von rd. 68 % aus;  die restlichen 32 % entfallen auf die übrigen Arztgruppen.

 

Insofern wird vorgeschlagen, künftig mindestens 60 % der zu vergebenden Stipendienplätze nur noch an StipendiatInnen zu vergeben, die sich bei Aufnahme in das Stipendienprogramm für die Fachrichtung Allgemeinmedizin entscheiden. Dies entspricht bei jährlich zu vergebenden 5 Stipendienplätzen die Reservierung von mindestens 3 Plätzen für angehende Hausärzte.

 

Da der Beruf des Hausarztes unter MedizinstudentInnen ein Imageproblem hat und tendenziell als unattrativ gilt sowie unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sich die Stipendiaten bereits frühzeitig auf diese Facharztrichtung festlegen, soll dieses Engagement honoriert werden. Es wird vorgeschlagen, die Förderung mit einem Aufschlag von 150 € monatlich zu versehen, d. h. für StipendiatInnen mit der Fachrichtung Allgemeinmedizin soll die Grundförderung künftig 450 € mtl. betragen. Die Festlegung bzw. der Wechsel auf das Fach Allgemeinmedizin soll auch für die StipendiatInnen möglich sein, die bereits in den vergangenen Jahren in das Programm aufgenommen wurden. Bei entsprechender Vergabe von 3 Plätzen für die Allgemeinmedizin ergeben sich Mehrkosten von jährlich 5.400 € (ohne Einbeziehung des möglichen Wechselns bereits im Programm befindlicher Stipendiaten). 

 

Die sich hieraus ergebenden Veränderungen in den Richtlinien sind in der beigefügten Synopse dargestellt.

 

Anlagen:

- Übersicht zur Änderung der Richtlinien zur Vergabe von Medizin-Stipendien

 


Anlage/n:

Anlagen

 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Übersicht zur Änderung der Richtlinien zur Vergabe von Medizin-Stipendien (23 KB)