Vorlage - VO/2015/192  

Betreff: Maßnahmen zur Verbesserung der Zahngesundheit im LK DH
- Antrag auf Einstellung eines Zahnarztes

Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage öffentlich
Unterzeichner/in:Pragal (i. V.)
Federführend:FD 53 - Gesundheitsamt   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Jugend, Gesundheit und Soziales Vorberatung
12.11.2015 
Sitzung des Ausschusses für Jugend, Gesundheit und Soziales geändert beschlossen   
Kreisausschuss Entscheidung
Kreistag Entscheidung
21.12.2015 
Sitzung des Kreistages ungeändert beschlossen   
Anlagen:
Antrag auf Einstellung eines Zahnarztes  

Beschlussvorschlag:

 Der Antrag auf Einstellung eines Zahnarztes in den Dienst des Landkreises Diepholz für die Untersuchung von Kindern wird abgelehnt. Zur weiteren Verbesserung der Zahngesundheit soll stattdessen die sog. „Doppelkartenaktion“ (ein Wettbewerb in den Schulen zur Steigerung des regelmäßigen Zahnarztbesuchs für Kinder bis zum 12. Lebensjahr) auf den gesamten Landkreis ausgedehnt werden.

 

Für die Durchführung der sog. „Doppelkartenaktion“ werden neben der bisherigen Förderung der beiden Mundhygienevereine von jährlich 6.000 € zusätzliche Mittel für den Mundhygieneverein Nord von jährlich 13.000 €, d. h. insgesamt ein Gesamtbetrag von 19.000 € für beide Vereine jährlich bereitgestellt. Für das Jahr 2016 wird der Zuschuss für die Durchführung der Doppelkartenaktion an den Mundhygieneverein Nord auf 10.000 € begrenzt. Die Verwaltung wird beauftragt, mit den Vertretern der Landesverbände der Kranken- und Ersatzkassen eine Folgevereinbarung zur Jugendzahnpflege abzuschließen.


Sachverhalt:

Im Landkreis Diepholz existieren 2 Mundhygienevereine, die sich - auf ehrenamtlicher Basis organisiert – um das Thema Zahnprophylaxe und -gesundheit der Kinder im Landkreis  kümmern. Der Mundhygieneverein im südlichen Landkreis („Arbeitskreis Mundhygiene e.V.“) existiert bereits seit über 30 Jahren. Der Mundhygieneverein im nördlichen Landkreis („Mundhygiene-Verein Nord“) hat sich 2003 gegründet. Beide Vereine beschäftigten fest angestellte Zahnarzt- bzw. Prophylaxehelferinnen, die die Kinder in den Kindergärten, Grundschulen sowie den 5. und 6. Klassen über Mundhygiene, richtige Zahnpflege und Ernährungsberatung informieren sowie Aufklärungsarbeit bei Eltern und Angehörigen leisten. Zusätzlich führen niedergelassene Zahnärzte über die Mundhygienevereine auf Honorarbasis vereinzelt Untersuchungen in den Schulen und gelegentlich auch Vorträge durch.

 

Grundlage dieser Aktivitäten zur Verbesserung der Zahngesundheit unter den Kindern ist eine Rahmenvereinbarung zur Förderung der Gruppenprophylaxe zwischen dem Land, der Zahnärztekammer, den Krankenkassen und den kommunalen Spitzenverbänden aus dem Jahr 1993. Die Rahmenvereinbarung sieht eine Anstellung des notwendigen Personals bei den Landkreisen und kreisfreien Städten und eine Kostenteilung mit den Krankenkassen vor. Der Landkreis hätte einen Zahnarzt und mehrere Prophylaxehelferinnen einstellen müssen. Der Zahnarzt hätte dabei ganz überwiegend vom Landkreis finanziert werden müssen. Die politische Diskussion führte seinerzeit dazu, dass der Landkreis die Rahmenvereinbarung aus Kostengründen nicht umsetzte. Im Übrigen lehnte auch die Zahnärzteschaft die Untersuchung in den Einrichtungen ab, da die reine Feststellung von Zahndefekten noch nicht zu einer Sanierung führt und die Untersuchungsbedingungen unzureichend seien. Die Mundhygienevereine finanzieren ihre Arbeit daher im Wesentlichen über Zuschüsse von den Krankenkassen. Der Landkreis unterstützt die beiden Mundhygienevereine mit insgesamt 6.000 € pro Jahr (Mundhygieneverein Nord: 4.000 €, Mundhygieneverein Süd: 2.000 €).

 

Die Krankenkassenvertreter fordern in dieser Sache seit längerer Zeit immer wieder die Umsetzung der Rahmenvereinbarung und ein stärkeres finanzielles Engagement des Landkreises. Parallel gibt es einen Antrag von Prophylaxehelferinnen des Mundhygienevereins Nord, die Prophylaxearbeit durch Beschäftigung eines festangestellten Zahnarztes stärker zu fördern. Hierzu haben in der Vergangenheit Gespräche mit dem Mundhygieneverein Nord sowie der Antragstellerin und dem Kreistagsabgeordneten, Herrn Albers, stattgefunden. Tenor der Erörterungen ist, aus verschiedenen Gründen auch weiterhin von der Einstellung eines Zahnarztes Abstand zu nehmen. Zum einen wären damit hohe Personalkosten verbunden. Zum anderen könnte ein festangestellter Zahnarzt lediglich den Zahnstatus und mögliche Defekte erheben, ohne dass - im Gegensatz zum Besuch in einer Zahnarztpraxis - eine unmittelbare Behandlung erfolgen kann. 

 

Stattdessen wird vorgeschlagen, die im südlichen Landkreis bereits sehr erfolgreich praktizierte „Doppelkartenaktion“ stärker auszuweiten. Hierbei handelt es sich um einen jährlichen vom Gesundheitsamt organisierten Wettbewerb für die 1. - 6. Schulklassen zur Steigerung des regelmäßigen Zahnarztbesuchs. Um möglichst viele Kinder den Praxen für eine zahnärztliche Untersuchung zuzuführen, werden die Schulklassen mit den meisten teilnehmenden Schülern mit Prämien von 20 – 60 € je Klasse belohnt (ab einem Besuch beim Zahnarzt von mind. 80 % der Schüler einer Klasse erhält diese eine Prämie in Form eines Zuschusses zu deren Klassenkasse). Im Jahr 2014 haben durch diese Doppelkartenaktion im südlichen Landkreis allein 89 % der Schüler, d. h. 3.709 Kinder den Zahnarzt aufgesucht.

 

Im nördlichen Landkreis ist diese Aktion bisher jedoch kaum verbreitet. Hintergrund ist, dass dem Mundhygieneverein Süd die Kosten der Doppelkartenaktion von den Krankenkassen refinanziert werden, der Mundhygieneverein Nord jedoch keine Krankenkassenzuschüsse hierfür erhält. Diese sind auch nicht bereit, die Zuschüsse hierfür zu erhöhen. Sie sehen primär den Landkreis in der Pflicht und drängen seit Jahren immer wieder auf dessen stärkeres finanzielles Engagement. Im Übrigen ist die auf Basis der Landesrahmenvereinbarung zwischen dem Landkreis und den Landesverbänden der Kranken- und Ersatzkassen geschlossene Vereinbarung über die Jugendzahnpflege zum 31.12.2010 ausgelaufen. Sie wurde im beiderseitigen Einvernehmen fortgeführt und wäre entsprechend neu zu vereinbaren.

 

Die Erfahrungen des Mundhygienevereins im Südkreis zeigen, dass für eine flächendeckende Durchführung der Doppelkartenaktion ca. 1,70 € - 1,90 € je Schüler aufgewendet werden müssen (für die rd. 4.200 Schüler im Südkreis wurden Prämien von jährlich ca. 7.000 € - 8.000 € ausgeschüttet). Übertragen auf die rd. 7.500 schulpflichtigen Kinder im Nordkreis wäre dort ein Budget von rd. 13.000 € erforderlich, um auch diesen Erst- bis Sechstklässlern die Teilnahme zu ermöglichen. 

 

Vor diesem Hintergrund fanden Gespräche mit dem zuständigen Vertreter der Krankenkassen statt. Darin stellte dieser eine Verlängerung der Vereinbarung unter Fortführung der finanziellen Beteiligung für die Mundhygienevereine im bisherigen Rahmen in Aussicht, schloss jedoch eine Beteiligung an der Ausweitung der Doppelkartenaktion aus. Dies bedeutet, dass der Landkreis für die Übertragung der Doppelkartenaktion auf den Nordkreis ein zusätzliches Budget von rd. 13.000 € zur Verfügung stellen müsste. Da die Durchführung einer solchen Aktion eine gewisse Anlaufphase benötigt, wird im ersten Jahr nicht mit der Ausschöpfung des vollen Betrages gerechnet. Insofern wurden im Haushalt 2016 zunächst vorsorglich nur 10.000 € zusätzlich für die Doppelkartenaktion eingeplant. In den Folgejahren wären die ermittelten 13.000 € für eine deckungsgleiche Übertragung des Modells erforderlich. Inclusive der bereits gewährten Zuschüsse von 6.000 € wäre ein Ansatz von insgesamt 19.000 € jährlich einzuplanen.

 

Zudem ist eine Umstellung der Fördermodalitäten für den Mundhygieneverein Süd vorgesehen. Dessen Förderbetrag wurde bisher nicht direkt an den Verein gezahlt, sondern es erfolgte die Übernahme von Honorarzahlungen an Zahnärzte für geleistete Untersuchungen in Kindergärten und Schulen (2.000 € pro Jahr) direkt durch das Gesundheitsamt. Zur Vereinfachung soll dem Arbeitskreis Mundhygieneverein Süd künftig die Förderung direkt überwiesen werden, wie es auch beim Mundhygieneverein Nord erfolgt.

 

Ferner soll für die Durchführung der Doppelkartenaktion im Nordkreis entsprechend dem Südkreis verfahren werden, d. h. die Organisation sowie Auswertung der Kartenrückläufe sollte als Unterstützungsleistung vom Gesundheitsamt erfolgen. Geplant ist zudem, die Doppelkartenaktion künftig mit einem einheitlichen Erscheinungsbild/Logo im gesamten Landkreis durchzuführen. Insofern sind beide Mundhygienevereine aufgefordert, ein gemeinsames Logo abzustimmen.


Anlage/n:

Anlagen

 

Antrag auf Einstellung eines Zahnarztes

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Antrag auf Einstellung eines Zahnarztes (62 KB)