Vorlage - VO/2015/219  

Betreff: Zwischenergebnis zum Gutachten Rettungsdienst
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage öffentlich
Unterzeichner/in:Pragal (i. V.)
Federführend:FD 32 - Sicherheit und Ordnung   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit zur Kenntnis
19.11.2015 
Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit zur Kenntnis genommen   

Beschlussvorschlag:

Der Ausschuss nimmt den Zwischenbericht zur Kenntnis. Das vollständige Gutachten muss nach der Erstellung noch beraten werden. Hierzu soll der Gutachter in der nächsten Sitzung des Ausschusses seinen Bericht erläutern.


Sachverhalt:

Aufgrund der in den letzten Jahren weiter stark gestiegenen Einsatzzahlen des Rettungsdienstes sowie aufgrund der sich abzeichnenden Veränderungen in der Struktur der Krankenhäuser im Landkreis Diepholz besteht ein Klärungsbedarf hinsichtlich des Umfangs der Rettungsmittelvorhaltung. Insoweit wird auch auf den Sachstandsbericht vom 29.05.2015 (Vorlage-Nr. VO/2015/098) hingewiesen, der am 11.06.2015 im Ausschuss für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit vorgestellt wurde.

 

Am 22. Juni 2015 wurde das Sachverständigenbüro ORGAKOM damit beauftragt, eine aktuelle Untersuchung zur Feststellung der bedarfsgerechten Rettungsmittelausstattung im Landkreis Diepholz durchzuführen. Dazu wurden ORGAKOM die vollständigen Einsatzdaten aus dem Zeitraum vom 01.05.2014 bis 30.04.2015 zur Verfügung gestellt. Dabei handelte es sich um rund 31.000 Datensätze, die auszuwerten waren. Laut dem Gutachter ist die Qualität bzw. Genauigkeit der gelieferten Daten besser als bei der vorherigen Untersuchung.

 

Das Gutachten ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Es liegen jedoch erste Ergebnisse vor. Danach besteht – wie erwartet - ein Handlungsbedarf bei der Bemessung der Rettungsmittelvorhaltung.

 

Die Einsatzzahlen sind seit dem letzten Gutachten aus dem Jahr 2010, dem die Daten des Jahres 2008 zugrunde lagen, um ungefähr 28 % gestiegen. Die Hilfsfrist von 15 Minuten bis zum Eintreffen des ersten Rettungsmittels wird grundsätzlich sekundengenau bemessen, zumal die Zeiten in der Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle Diepholz (Leitstelle) sekundengenau erfasst werden. Somit gilt ein Eintreffen ab 15:01 Minuten als Überschreitung der Hilfsfrist.


Nach der vorläufigen Auswertung wird die Hilfsfrist momentan im Landkreis Diepholz in rund 91 % der Fälle eingehalten. Dies bedeutet allerdings auch, dass es in rund 9 % der Fälle eine Überschreitung der Hilfsfrist gibt, womit der Zielwert von 95 % trotz erheblicher Verbesserungen der Struktur des Rettungsdienstes in den letzten Jahren noch nicht erreicht wird.

 

Der Rettungsdienst fährt mit den Patienten häufig zu den Krankenhäusern in Bassum, Diepholz und Sulingen. Bei den Transportzielen ist jedoch laut Gutachter erkennbar, dass die Rettungswagen daneben auch regelmäßig das Landkreisgebiet verlassen müssen, um ein geeignetes Krankenhaus anzufahren. Dabei werden vor allem Kliniken in Bremen, Vechta, Damme oder Nienburg aufgesucht, um Patienten behandeln lassen zu können.

 

Der Gutachter hat sich u.a. bereits mit der Ausrückedauer, der jeweiligen Anfahrtdauer, der Behandlungsdauer am Einsatzort sowie der Verweildauer am Transportziel beschäftigt, weil sich hieraus die Fahrzeugbindung und Einsatzdauer eines Rettungswagens ergibt, also die Zeit, die insgesamt für die gesamte Erledigung eines Einsatzes benötigt wird, wozu natürlich ggf. auch die Zeit der Rückfahrt ins eigentliche Einsatzgebiet gehört.

 

Die Anfahrtdauer ist im Landkreis Diepholz als einem insgesamt eher ländlich strukturierten Gebiet im Durchschnitt länger als beispielsweise in Großstädten. Die Behandlungsdauer am Einsatzort ist im Vergleich zu anderen Rettungsdienstbereichen eher unauffällig; sie entspricht also den Erwartungen.

 

Die Verweildauer am Transportziel, also an den Krankenhäusern, ist etwas kürzer als dies im Durchschnitt anderer Untersuchungen zu erkennen ist. Daraus lässt sich ableiten, dass die Übergabe der Patienten in den Krankenhäusern insgesamt gut funktioniert. Die Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern ist also insoweit unproblematisch und muss diesbezüglich nicht näher betrachtet werden.

 

Die gesamte Einsatzdauer eines Notfalleinsatzes ist an den einzelnen Rettungswachen und deren Außenstellen recht unterschiedlich ausgeprägt, was vor allem an den teilweise langen Hin- und Rückfahrten zu den Notfallorten und den Krankenhäusern liegt. Dies gilt insbesondere, wenn sich im Bereich der jeweiligen Rettungswache kein Krankenhaus befindet. Bei den Rückfahrten (ohne Patient) in das eigentliche Einsatzgebiet muss der Rettungsdienst selbstverständlich alle verkehrsbedingten Einschränkungen, z.B. zähfließenden Verkehr, genauso hinnehmen wie alle übrigen Verkehrsteilnehmer. Davon kann nur abgewichen werden, falls der Rettungswagen seitens der Leitstelle mit einem neuen Notfall beauftragt wird.

 

Von besonderem Interesse ist, an welchen Orten im Landkreis Diepholz im Einzelnen die Überschreitungen der Hilfsfrist von 15 Minuten aufgetreten sind. Die örtliche Verteilung der Fälle mit einer Überschreitung der Hilfsfrist zeigt einige Auffälligkeiten.

 

Die Kommunen mit der absolut höchsten Anzahl an Überschreitungen sind die Stadt Syke (94 Fälle) sowie die Gemeinden Stuhr (94 Fälle) und Wagenfeld (93 Fälle). Mit einigem Abstand folgen die Städte Bassum (58 Fälle), Twistringen (56 Fälle) und Sulingen (53 Fälle).

Die Kommunen mit dem relativ höchsten Anteil an Überschreitungen an den dortigen Notfallereignissen sind die Gemeinden Brockum, Quernheim, Stemshorn, Neuenkirchen und Stuhr-Varrel.

In Syke waren für die Überschreitungen überwiegend lange Fahrdauern, also lange Anfahrten, für die Überschreitung ursächlich. Dies gilt auch für die Überschreitungen der Ortsteile Groß Mackenstedt, Moordeich und Varrel in der Gemeinde Stuhr.

In der Gemeinde Wagenfeld, vor allem in der Ortschaft Ströhen, waren ebenfalls lange Fahrdauern der Hauptgrund für die Überschreitung der Hilfsfrist.

 

Die Verteilung der Überschreitungen der Hilfsfrist in der Notfallrettung auf die Wochentage zeigt ein weitgehend homogenes Bild, wobei eine Erhöhung am Montag tagsüber festgestellt wurde. Dies passt durchaus zu der festgestellten Erhöhung des Einsatzaufkommens am Montag gegenüber den übrigen Wochentagen.

Über alle Wochentage im Schnitt betrachtet sind die relativen Quoten der Hilfsfrist-überschreitungen in der Zeit zwischen 20:00 und 06:00 Uhr überdurchschnittlich hoch. Diesbezüglich ist darauf zu verweisen, dass momentan alle Krankentransportwagen sowie mehrere Rettungswagen ausschließlich tagsüber besetzt sind, so dass am Abend und in der Nacht deutlich weniger Rettungsmittel zur Verfügung stehen.

Ergänzend ist zu erwähnen, dass die Krankentransportwagen (KTW) derzeit sowohl von der Ausrüstung als auch von der personellen Besetzung in der Lage sind, Notfalleinsätze zu übernehmen, was bei Bedarf auch entsprechend umgesetzt wird.

 

Der Gutachter hat zufällig ausgewählte Fälle mit Hilfsfristüberschreitungen detaillierter untersucht und dabei erkannt, dass häufig sogenannte Duplizitäten die Ursache für Hilfsfristüberschreitungen sind. In solchen Fällen steht der Rettungswagen, der eigentlich räumlich am nächsten zu Notfallort liegt, nicht zur Verfügung, weil er sich bereits in einem Einsatz befindet. In einer solchen Situation wird dann von der Leitstelle ein anderes, etwas weiter entferntes Fahrzeug des Rettungsdienstes eingesetzt. Manchmal kommt es dann sogar zu einem Dominoeffekt, weil das helfende Fahrzeug wiederum im eigenen Einsatzgebiet fehlt.


In seltenen Fällen kann auch eine vergleichsweise lange Ausrückedauer von mehr als 90 Sekunden die Hilfsfristüberschreitung mit verursachen.

 

Es sind vom Gutachter noch eine Reihe von Details zu klären, bevor die endgültige Auswertung erstellt werden kann. Das vollständige Gutachten dürfte im Januar 2016 vorliegen.

 

Fraglich ist u.a. noch, inwieweit sich Veränderungen in benachbarten Rettungsdienst-bereichen, wie z.B. dem Kreis Minden-Lübbecke, der Stadt Bremen oder dem Landkreis Nienburg auf den hiesigen Rettungsdienst auswirken. Im Kreis Minden-Lübbecke zeichnet sich z.B. die Verlagerung der Rettungswache Stemwede-Haldem ab, während es in Bremen im laufenden Jahr einen ganz erheblichem Anstieg der Einsatzzahlen gibt, so dass es keine Garantie für eine Unterstützung des Bremer Rettungsdienstes in den Gemeinden Stuhr und Weyhe im Rahmen der Nachbarschaftshilfe gibt.

 

Momentan ist noch völlig offen, inwieweit sich die Unterbringung von Flüchtlingen dauerhaft auf die Einsatzzahlen des Rettungsdienstes auswirken wird. Unzweifelhaft ist dabei, dass bisher sowohl in den in den letzten Wochen eingerichteten Notunterkünften mit Flüchtlingen als auch bei den dezentral untergebrachten Asylbewerbern eine Reihe von zusätzlichen Notfalleinsätzen entstanden ist. Dies wirkt sich z.B. im benachbarten Bremen massiv aus (siehe oben).

 

Allerdings ist bereits jetzt offensichtlich, dass – unabhängig von den anstehenden Veränderungen in der Krankenhausstruktur - die Rettungsmittelvorhaltung ausgeweitet werden muss. Dies könnte z.B. durch eine Erhöhung der Vorhaltestunden an den jetzigen Rettungswachen erfolgen, was vermutlich vom Gutachter auch vorgeschlagen werden wird. Parallel zur Erhöhung der Vorhaltestunden käme eventuell noch die Auslagerung vorhandener Fahrzeuge an einen oder zwei neue Standorte in Frage.

 

Sobald die konkrete Umsetzung der vom Kreistag grundsätzlich entschiedenen  Veränderungen an den Krankenhäusern vorgelegt bzw. beschlossen wird, wird der Gutachter eine ergänzende Beurteilung vornehmen. Da hierfür derzeit noch kein exakter Zeitplan besteht, wird das Gutachten zunächst auf der Basis der jetzigen Situation weiter bearbeitet und ggf. vorläufig abgeschlossen. 

 

Der Sachverhalt wird in der Sitzung des Ausschusses noch mündlich ergänzt.