Vorlage - VO/2019/036  

Betreff: Änderung der Kommunalen Richtlinie für Kindertagespflege im Landkreis Diepholz
- Gewährung eines gesonderten Stundensatzes für geleistete Vertretungsstunden in der Tagespflege
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage öffentlich
Unterzeichner/in:In Vertretung: gez. van LessenAktenzeichen:DH 51
Federführend:FD 51 - Jugend Bearbeiter/-in: Stabel, Arno
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss Entscheidung
14.03.2019 
Sitzung des Jugendhilfeausschusses ungeändert beschlossen   
Anlagen:
Kommunale Richtlinie für Kindertagespflege im Landkreis Diepholz  

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Die Betreuung von Kindern durch Tagespflegepersonen ist ein wichtiger Baustein für die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Kindertagesbetreuung in den Kommunen und gewinnt angesichts steigender Betreuungsbedarfe zunehmend an Bedeutung. Eine qualitativ gute und verlässliche Betreuung ist Voraussetzung, dass die Betreuung in der Kindertagespflege als gleichwertige Betreuung entsprechend in einer Kindertagesstätte angesehen wird. Gemäß § 23 Abs. 4 SGB VIII ist der Träger der öffentlichen Jugendhilfe verpflichtet, für Ausfallzeiten der Tagespflegeperson eine andere Betreuung für das Kind sicherzustellen. Um diesen gesetzlichen Auftrag nachkommen zu können, wurde mit der Änderung der Richtlinie zum 01.01.2018 eine gesonderte Regelung für die Vergütung von Vertretungsstunden eingeführt, indem Vertretungsstunden mit dem doppelten Stundensatz vergütet werden. Gem. VIII Nr. 2.7 der Richtlinie sollte in einer Erprobungsphase von einem Jahr die Praxistauglichkeit der Regelung überprüft werden, eine verlässliche Betreuung sicherzustellen.

 

Mit der Vergütung des doppelten Stundensatzes für geleistete Vertretungsstunden sollte ein Anreiz geschaffen werden, damit Tagespflegepersonen bereit sind, sich für eine Vertretung zur Verfügung stellen. Die Vertretungsperson muss nicht nur flexibel auf einen möglichen Einsatz reagieren können, sie muss auch gemäß § 23 Abs. 3 SGB VIII geeignet sein. Dabei muss bedacht werden, dass Tagespflegepersonen auch im Vertretungsfall nur maximal bis zu fünf gleichzeitig anwesende Kinder betreuen dürfen. Tagespflegepersonen, die bereits fünf gleichzeitig anwesende Kinder betreuen, stehen für eine Vertretung generell nicht zur Verfügung.

 

Auf Seiten der Eltern der Tagespflegekinder ist für ein gutes Gelingen und die Akzeptanz einer Vertretung von Bedeutung, dass die Tagespflegekinder vor Beginn einer Betreuung in Vertretung die Tagespflegeperson und die Räumlichkeiten, in der die Vertretung stattfinden soll kennenlernen. Hauptmerkmal der Kindertagespflege ist die Betreuung eines Kindes in einer familienähnlichen Atmosphäre von einer festen Bezugsperson. Auch im Vertretungsfall soll diese Konstellation erhalten bleiben. Ein vorheriger regelmäßiger Kontakt ist insbesondere für jüngere Kinder unabdingbare Voraussetzung. Für die Vertretungskräfte bedeutet dies einen erhöhten Aufwand, für Vertretungsfälle zur Verfügung zu stehen. Mit dem doppelten Stundensatz der Vertretungsstunden soll dieser Aufwand abgegolten werden, ohne zusätzlich Kennenlernzeiten zu vergüten.

 

In der Praxis hat sich herausgestellt, dass die Bildung von Tandems oder festen Gruppen am besten geeignet sind, diese Voraussetzungen zu erfüllen. Ein gegenseitiges Kennenlernen findet z.B. in einem Familienzentrum mit regelmäßigen wöchentlichen Treffs der Tagespflegepersonen und -kinder statt oder bei Tandems zweier Tagespflegepersonen, die sich gegenseitig besuchen. Ein Kennenlernen kann auch durch gemeinsame Aktivitäten stattfinden.

 

Für die Evaluation wurden die Familienservicebüros der Gemeinden um folgende Angaben gebeten:

 

-          Wie viel Vertretungsstunden wurden berechnet – Anzahl der Vertretungsstunden und Vertretungskräfte.

-          An wie vielen Tagen wurde eine Vertretung gewährt

-          Wie hat sich aus Ihrer Sicht das Modell in der Praxis bewährt

-          Wie wird das Modell von den Tagespflegepersonen beurteilt.

 

Im Jahr 2018 wurden bis einschließlich 31.10.2018 insgesamt 75 Kinder an 303 Tagen in Vertretung betreut. Die durchschnittliche tägliche Betreuungszeit beträgt 7 Stunden. Die Bedarfe für Vertretungsstunden sind regional sehr unterschiedlich. In überwiegend ländlichen Strukturen findet oft eine vertretungsweise Betreuung der Tagespflegekinder innerhalb der Familie statt, da hier familiäre Bindungen noch vielfach vorhanden sind. So wurden in den Samtgemeinden Kirchdorf, Rehden und Siedenburg und in der Gemeinde Wagenfeld im Jahr 2018 keine Vertretungsstunden abgerechnet. In ländlichen Regionen ist es auch schwierig, bei einer relativ geringen Anzahl von Tagespflegepersonen, die auch keine räumliche Nähe zueinander haben, Tandems oder sogar Gruppen zu bilden.

 

In mehr städtisch geprägten Strukturen sind diese familiären Bindungen überwiegend nicht vorhanden. Hier gibt es jedoch teilweise ein gutes Netzwerk, über das eine Vertretung für Tagespflegekinder organisiert wird. Die räumliche Nähe zueinander in städtischen Strukturen erleichtert das gegenseitige Kennenlernen der Tagespflegepersonen und -kinder. Für die Akzeptanz einer Vertretungsregelung, ist dieses Kennenlernen Voraussetzung. Ebenso, dass die Betreuung in einer für die Kinder gewohnten Umgebung stattfindet. Das können zum einen die von der Tagespflegeperson genutzten Räumlichkeiten oder Räumlichkeiten der Vertretungskraft sein.

 

Tagespflegepersonen, die fünf Kinder gleichzeitig betreuen, dürfen keine weiteren  Kinder betreuen, und stehen damit für eine Vertretung nicht zur Verfügung. Die Tagespflegepersonen müssen einen Platz dauerhaft freihalten. Die Vergütung mit dem doppelten Stundensatz ist jedoch nicht ausreichend, um den Wegfall der Tagespflegepauschale für ein Kind auszugleichen. So gesehen ist der finanzielle Anreiz, der mit dieser Regelung geschaffen werden sollte, nicht ausreichend, um den finanziellen Nachteil, wenn Vertretungsplätze dauerhaft vorgehalten werden, auszugleichen. Es ist vielmehr eine finanzielle Anerkennung, die trotzdem dazu geführt hat, dass mehr Tagespflegepersonen für eine Vertretung zur Verfügung stehen.

 

Insgesamt betrachtet hat sich die Reglung, für geleistete Vertretungsstunden den doppelten Tagespflege-Stundensatz zu vergüten, bewährt und wird positiv bewertet. Auch wenn damit nur eine geringfügige Anzahl zusätzlicher Vertretungsplätze geschaffen werden konnte, sollte diese Regelung beibehalten werden, um dem gesetzlichen Auftrag, auch in Vertretungsfällen die Betreuung gewährleisten zu können, nachzukommen.

 

Die Form der Abrechnung sollte auch beibehalten werden. Zwar wurde vereinzelt angemerkt, dass das Abrechnungsverfahren umständlich und teilweise langwierig sei. Jedoch wird damit andererseits garantiert, dass korrekt abgerechnet wird und es über die abgerechneten Vertretungsstunden keine Unstimmigkeiten gibt.

 

Es wird vorgeschlagen, VIII Nr.2.7 der Kommunalen Richtlinie für Kindertagespflege des Landkreises Diepholz zu streichen und die übrigen Regelungen in VIII Nr.2 „Sonderregelung zur Vergütung von geleisteten Vertretungsstunden durch eine Tagespflegeperson“ beizubehalten.

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Die in der kommunalen Richtlinie für Kindertagespflege im Landkreis Diepholz in
VIII Nr. 2.1 festgesetzte doppelte Tagespflege-Stundensatz für geleistete Vertretungsstunden in der Kindertagespflege wird beibehalten.

 

Der Absatz VIII Nr. 2.7 wird gestrichen.

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Anlage

Kommunale Richtlinie für Kindertagespflege im Landkreis Diepholz
 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Kommunale Richtlinie für Kindertagespflege im Landkreis Diepholz (299 KB)