Vorlage - VO/2019/020-1  

Betreff: Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung im Landkreis Diepholz

hier: Einrichtung zum Schuljahr 2020/2021 als Ganztagsangebot
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage öffentlich
Unterzeichner/in:In Vertretung: gez. van LessenBezüglich:
VO/2019/020
Federführend:FD 40 - Bildung   
Beratungsfolge:
Schulausschuss Vorberatung
27.06.2019 
Sitzung des Schulausschusses ungeändert beschlossen   
Kreisausschuss Entscheidung

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Beschlussvorschlag:

Die Verwaltung wird beauftragt, bei der Landesschulbehörde die Einrichtung einer öffentlichen Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung im Landkreis Diepholz als Ganztagsangebot, beginnend mit den Jahrgängen 1 und 5, zum Schuljahresbeginn 2020/2021  in den Räumlichkeiten der Lindenschule in Sulingen zu beantragen.
 

 

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Sachverhalt:

Der Schulausschuss am 20.02.2019 und der Kreisausschuss am 22.02.2019 hattendie Verwaltung damit beauftragt, die Einrichtung einer Förderschule GE als Ganztagsangebot, beginnend mit den Jahrgängen 1 und 5, zum Schuljahresbeginn 2020/2021 vorzubereiten. Dabei sollen die Räumlichkeiten der Lindenschule in Sulingen vorrangig genutzt werden. Die Einrichtung weiterer Schulstandorte im Kreisgebiet wird zur Verkürzung der Schulwege angestrebt. Entsprechende Gespräche mit möglichen Trägern sowie mit der Landesschulbehörde sind ergebnisorientiert fortzusetzen, wobei Kooperationen von Trägern begrüßt würden (Vorlage-Nr. VO/2019/020).

 

In der Zwischenzeit wurden weitere Gespräche, insbesondere auch zur Frage der Trägerschaft, geführt. Diese lassen sich wie folgt zusammenfassen:

 

  1. Öffentliche Schule in der Trägerschaft des Landkreises

Mit den Schulleitungen der Förderschulen LE, dem Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentrums Inklusive Schule (RZI) und der Landesschulbehörde wurde die Einrichtung einer öffentlichen Schule, insbesondere auch die Personalbereitstellung, eingehend erörtert.

Eine Erhebung unter den derzeit im Landkreis Diepholz tätigen Förderschullehrkräften ergab, dass 21 Personen auch über die Qualifikation „GE“ verfügen. Eine Interessenabfrage der Förderschulen LE ergab, dass davon mindestens fünf Lehrkräfte – sowie zwei außerhalb des Landkreises beschäftigte Lehrkräfte – bereit sind, an einer Förderschule GE in Sulingen zu arbeiten.

Danach scheint es gesichert, dass das Land seiner Verpflichtung zur Ausstattung einer öffentlichen Förderschule GE mit Förderschullehrkräften nachkommen kann.

 

  1. Trägerschaft eines freien Trägers
    1. Bethel im Norden/Schulverbund Freistatt

Bethel im Norden/Schulverbund Freistatt ist bereits als Förderschule GE in freier Trägerschaft anerkannt, so dass die staatliche Finanzierung der Förderschullehrkräfte und des pädagogischen Personals sichergestellt ist. Derzeit sind 5 Förderschullehrkräfte mit der Qualifikation „GE“ vorhanden, 21 weitere Lehrkräfte werden im September 2019 eine Weiterbildung zur Förderschullehrkraft abschließen und dem Schulverbund Freistatt zur Verfügung stehen. Der Schulverbund Freistatt hält das Betreiben einer „Außenstelle“ an der Lindenschule in Sulingen aufgrund der verkehrsgünstigeren Lage für sinnvoll. Da der Schulverbund Freistatt die staatliche Anerkennung bereits hat, könnte die Entwicklung der Schülerzahlen ebenfalls abgewartet werden.

Der Schulverbund Freistatt wäre zu einer Kooperation mit der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz bereit, die in Sulingen eine Tagesbildungsstätte betreibt. Eine solche Kooperation wäre zu begrüßen, um eine Konkurrenz beider Angebote am selben Standort möglichst zu vermeiden.

 

2.2  Lebenshilfe Grafschaft Diepholz und Lebenshilfe Syke

 

Die grundsätzliche Bereitschaft der Lebenshilfen zur Finanzierung des pädagogischen Personals für mindestens 3 Jahre (Voraussetzung für die Anerkennung als freier Träger durch das Land) ist gegeben. Allerdings sind bei der Lebenshilfe noch praktisch keine Förderschullehrer für einen Betrieb vorhanden.

Nach erfolgter Anerkennung durch das Land wäre perspektivisch die Einrichtung einer „Außenstelle“ in Diepholz (in den Räumen der dortigen Tagesbildungsstätte) zu realisieren, um auch den dortigen Eltern eine echte Alternative anbieten zu können (von z.B. Lemförde nach Sulingen sehr langer Schulweg).

Die Lebenshilfe Grafschaft Diepholz könnte sich ebenfalls einen Betrieb im Gebäude der Lindenschule vorstellen.

 

 

Die Lebenshilfe Syke betreibt derzeit Tagesbildungsstätten in Syke und Hoya. Die Lebenshilfe Syke würde selbst als Schulträger auftreten, also keine Kooperation mit einem Dritten eingehen.

Aufgrund der damit einhergehenden finanziellen Folgen in den Anfangsjahren bemühen sich die Lebenshilfen um einen Gesprächstermin mit dem Niedersächsischen Sozialministerium, dem Lebenshilfe Landesverband Niedersachsen und dem Landkreis Diepholz, um sich für die staatliche Finanzierung der Lehrkräfte ohne Wartezeit einzusetzen bzw. eine Übergangslösung anzustreben, nach der sich die vorhandenen Klassenleitungen entsprechend weiterqualifizieren können.

Alternativ zum Antrag auf Umwandlung in eine Förderschule GE in freier Trägerschaft haben die Lebenshilfen ein Modellprojekt „Inklusive Bildung“ vorgeschlagen. Darunter ist eine „Freie Schule“ zu verstehen, in der inklusiv gearbeitet würde und somit allen Kindern, also auch denen mit dem Förderschwerpunkt GE, eine Beschulungsmöglichkeit bieten würde. Auch hier müssten entsprechende Gespräche in den Ministerien geführt werden. Ein solches Projekt ist auch in gemeinsamer Trägerschaft der beiden Lebenshilfen (Grafschaft Diepholz und Syke) denkbar.

 

Vorteile einer öffentlichen Schule gegenüber Schulen in freier Trägerschaft:

  • Eine öffentliche Förderschule GE entspricht dem Elternwunsch (Initiative des Kreiselternrates sowie Elternbefragung aus 2018)
  • Eine öffentliche FöS GE könnte im Gegensatz zu einer Schule in freier Trägerschaft flexibel im Landkreis agieren und eine Beschulung je nach Grad der geistigen Behinderung, dem pflegerischen Bedarf und dem Elternwunsch in der Förderschule, in Kooperationsklassen oder inklusiv in einer allgemeinen Schule organisieren. Auch ein Wechsel zwischen den Beschulungsformen im Laufe der Schulzeit ist möglich.
  • Mit einer öffentlichen FöS GE ist es möglicherweise einfacher, Förderschullehrkräfte mit der Qualifikation „GE“ für eine Tätigkeit im Kreisgebiet zu gewinnen und diese neben dem Einsatz in ihrer „Stammschule“ auch für die inklusive Beschulung oder in Kooperationsklassen in allgemeinen Schulen einzusetzen. 
  • An einer öffentlichen FöS GE sind Förderschullehrkräfte mit „kompletter“ Ausbildung (1. und 2. Staatsexamen) tätig. Gleichzeitig können hier Lehramtsanwärter für das Förderschullehramt oder auch Quereinsteiger ausgebildet und entsprechend unterstützt werden.
  • Nur die öffentliche FöS darf Fördergutachten zur Feststellung eines sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfs erstellen. Durch Einrichtung der FöS GE bliebe diese Kompetenz auch nach Auslaufen der FöS LE im Landkreis erhalten.
  • Nach Auflösung der Förderschulen LE kann eine öffentliche Förderschule GE die Aufgaben eines Förderzentrums für den Landkreis übernehmen. Die derzeit dezentrale Organisation des Förderschwerpunktes Sprache könnte dort angegliedert werden.
  • Je nach Zulauf/Akzeptanz kann das Angebot ohne weiteres angepasst werden.

 

Fazit:

Im Gegensatz zu den Lebenshilfe-Vereinigungen verfügt der Schulverbund Freistatt bereits über die Anerkennung als Förderschule GE (in freier Trägerschaft) und über eine hohe Zahl an zur Verfügung stehenden Lehrkräften, so dass die Einrichtung einer „Außenstelle“ an der Lindenschule in Sulingen gegenüber der „Neubeantragung einer öffentlichen Schule“ insgesamt sicherlich einfacher zu bewerkstelligen ist.

 

Nach den Abfragen der Förderschulen und der Landesschulbehörde verfügt aber auch das Land Niedersachsen über genügend Förderschullehrkräfte mit der Qualifikation GE, die sich für eine Tätigkeit an einer neuen Förderschule in Sulingen interessieren. Zudem überwiegen die Vorteile einer öffentlichen Schule deutlich (siehe oben). 

 

Daher favorisiert die Verwaltung für den Standort Sulingen die eigene Trägerschaft. Es wird vorgeschlagen, bei der Landesschulbehörde die Einrichtung einer öffentlichen Förderschule GE zu beantragen.

 

 

Perspektivisch bleibt es bei dem Auftrag des Schulausschusses und des Kreisausschusses vom 20. und 22.02.2019, die Einrichtung weiterer Schulstandorte im Kreisgebiet zur Verkürzung der Schulwege anzustreben. Dabei schließt die Verwaltung eine Kooperation mit den Lebenshilfe-Vereinigungen ausdrücklich nicht aus, zumal diese über die Gebäude der Tagesbildungsstätten in Diepholz und Syke verfügen.


 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Anlage/n:


 

 

Stammbaum:
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