Vorlage - VO/2019/179-1  

Betreff: Anträge der Freien Wählergemeinschaft Landkreis Diepholz:
1. Lokale und regionale Förderung der Umsetzung einiger Eckpunkte einer Norddeutschen Wasserstoff-Strategie
2. Einrichtung einer Klimaschutz- und Energieagentur im Landkreis DH
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage öffentlich
Unterzeichner/in:In Vertretung: gez. KleineBezüglich:
VO/2019/179
Federführend:FD 68 - Umweltkonzepte   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt Vorberatung
06.11.2019 
Sitzung des Ausschusses für Kreisentwicklung und Umwelt geändert beschlossen   
Kreisausschuss Vorberatung
Kreistag Entscheidung
02.12.2019 
Sitzung des Kreistages ungeändert beschlossen   
Anlagen:
2019-10-21 Antrag zur Foerderung der Wasserstofftechnik  
2019-10-21 konzept aufbau energieagentur lk ver  
2019-10-21 Wasserstoffstrategie Kuestenlaender  

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Beschlussvorschlag:

zu Pkt. 1.:

Die Aktivitäten des Landkreises Diepholz (FD 15) im Hinblick auf die Wasserstoffnutzung werden zustimmend zur Kenntnis genommen

 

zu Pkt. 2.:

Zur Vorbereitung der Entscheidung zur Einrichtung einer Klimaschutz- und Energieagentur wird die Verwaltung beauftragt eine vergleichende Darstellung der unterschiedlichen Herangehensweisen in den umliegenden Landkreisen und den kreisangehörigen Städten und Gemeinden des Landkreises zu erstellen und dies im Kreisentwicklungsausschuss darzustellen.
 

 

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Sachverhalt:

Zu Pkt. 1.  Aufbau einer Wasserstoffregion Landkreis Diepholz unter Berücksichtigung der Norddeutschen Wasserstoff-Strategie

 

Der Landkreis Diepholz befasst sich bereits seit Anfang 2019 mit dem Thema des Wasserstoffs als Energieträger. In diesem Zusammenhang hat er sich im Februar an dem Förderprogramm „HyLand - Wasserstoffregionen in Deutschland“ beteiligt und Interesse als sog. „HyStarter“ bekundet. Der Landkreis Diepholz gehört nicht zu den mit Beratungsmitteln geförderten Regionen. Auf Bundesebene wurden wegen der Knappheit der verfügbaren Fördermittel lediglich 9 Kommunen bzw. Regionen als High Starter ausgewählt. Ein Antrag für das Förderprogramm „HyPerformer“ wurde nicht gestellt, weil die Voraussetzungen im Landkreis Diepholz nicht gegeben sind.

Darüber hinaus soll interessierten Unternehmen, Institutionen und Hochschulen in der Region eine Plattform geboten werden, um sich zu informieren, Kontakte zu knüpfen und gemeinsame Projekte zu entwickeln.

Die Entwicklung und der Aufbau eines solchen Formates ist bereits im FD 15 Wirtschaftsförderung angesiedelt. Am 03. September 2019 fand dazu die Auftaktveranstaltung „Wasserstoffregion Landkreis Diepholz“ statt, in der informiert und über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit abgestimmt wurde. Ziel ist es, regionale Wertschöpfungsketten im Landkreis Diepholz aufzubauen.

Der Landkreis Diepholz möchte sich als Vorreiter bei der Reduzierung von CO2-Emissionen und der Erzeugung und Nutzung von grünem Wasserstoff positionieren. Hierzu verfügt der Landkreis Diepholz über besonders günstige Ausgangsbedingungen. Mit über 430 Windkraftanlagen zählt der Landkreis Diepholz zu den bundesweiten Spitzenreitern bei der Erzeugung erneuerbarer Energien. Sein Erzeugungsgrad liegt laut dem Internet-Portal energy-map bei 109 % (Bundesschnitt: 26 %, Niedersächsischer Durchschnitt: 45 %). Im Landkreis Diepholz wird somit mehr Strom erzeugt als verbraucht. Spezifische Infrastrukturen wie z. B. der Gasspeicher Rehden sowie wichtige Know-how-Träger aus den Bereichen Industrie und produzierendes Gewerbe sowie Unternehmen in der Projektierung regenerativer Energien sind vorhanden. Dadurch ergeben sich gute Rahmenbedingungen für den Landkreis Diepholz als ein „Wasserstoff-Reallabor“.

Wasserstoff wird als der Energieträger der Zukunft gesehen, weil er sich sehr flexibel aus erneuerbaren Energien herstellen lässt, insbesondere auch in den Zeiten, in denen ein Überangebot an erneuerbaren Energien besteht. Die sonst ungenutzten Energiemengen könnten zukünftig gespeichert und in anderen Sektoren eingesetzt werden.

Die ökologischen und ökonomischen Vorteile sowie die regionale Wertschöpfung der erneuerbaren Energien im Landkreis Diepholz sollen anhand von Wasserstoffsystemen weiter ausgebaut werden.

Mithilfe dieser Systeme soll eine Integration von erneuerbaren Energien zunächst in den Sektoren Verkehr, Wärme und Industrie vermittelt werden. Es soll ein „Reallabor“ entstehen, dass den Landkreis Diepholz als Innovationstreiber positioniert und Chancen für die heimische Wirtschaft und Wissenschaft bietet.

Das Reallabor soll die Sektorenkopplung der Energiewende im Landkreis Diepholz beschleunigen und einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele leisten. Ein wichtiges Ziel ist hierbei auch die Steigerung der Akzeptanz der Bürger/innen, um die Energiewende „greifbarer“ zu gestalten, z. B. indem Busse mit Brennstoffzellenantrieb ausgestattet werden, die mittels Wasserstoff aus regionalen erneuerbaren Energien betankt werden oder die Produktion von Gütern unter Einsatz von Wasserstoff erfolgt.

Die Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff sind zunächst vorrangig in den Segmenten

  • Mobilität

          Busse, PKW und LKW

          Schienenfahrzeuge

  • Wärme

          Gaseinspeisung

          Methanisierung und der

  • Industrie

zu sehen.

Wasserstoff wird mittels Wasserelektrolyse gewonnen. Sie bietet die Möglichkeit, den erneuerbaren Strom in Zeiten von geringer Stromnachfrage oder bei Netzengpässen in Wasserstoff umzuwandeln. In diesem Prozess wird Wasser mithilfe von elektrischer Energie in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Der erzeugte Wasserstoff kann anschließend in flüssigem oder gasförmigem Zustand gespeichert, transportiert und verteilt werden.

zu Pkt. 2.  Einrichtung einer Klimaschutz- und Energieagentur im Landkreis Diepholz

 

Die Entscheidung zur Einrichtung einer Klimaschutz- und Energieagentur ist sehr umfangreich und komplex, wie allein aus dem mitgesandten Grobkonzept des Landkreises Verden ersichtlich ist. Dabei spielen sowohl die Organisationsform und Aufgaben als auch die personelle Ausstattung und Finanzierung eine Rolle.

 

Im Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD) sind nach deren Informationen unter https://energieagenturen.de/ derzeit 38 regionale und kommunale Agenturen Mitglied im eaD. Aus Niedersachsen gehören 8 Agenturen zum eaD, wobei eine Häufung im Raum Hannover zu erkennen ist.

 

Die überwiegende Zahl der Agenturen sind gemeinnützige GmbHs, deren Mitglieder sich aus mehreren Kommunen, Verbänden und Unternehmen zusammensetzen. Ihre Aufgaben sehen sie im Bereich der Beratung und Information von Privathaushalten, Institutionen und Unternehmen zur Energieeffizienz und zur Nutzung erneuerbarer Energien.

 

Grundlage deren Arbeit sind nicht selten Klimaschutzkonzepte auf Landkreis-, Stadt- oder Gemeindeebene. So hat zum Beispiel der Landkreis Verden ein Klimaschutzteilkonzept für die eigenen Liegenschaften und der Landkreis Heidekreis ein integriertes Klimaschutzkonzept für den ganzen Landkreis erstellt. Auch im Landkreis Diepholz gibt es nach Informationen der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsens (https://www.klimaschutz-niedersachsen.de/kommunen/klimaschutzmanagement/karte-klimaschutzkonzepte.html) bereits einige Gemeinden mit Klimaschutzkonzepten bzw. -Teilkonzepten. Einige Gemeinden haben demnach auch Klimaschutzmanager.

 

Der Landkreis Diepholz schafft derzeit die Grundlagen für ein strukturiertes Vorgehen im Bereich des Klimaschutzes. In der Sitzung am 14.11.2018 hat der Ausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt zustimmend zur Kenntnis genommen, dass der Landkreis Diepholz eine Fokusberatung beschränkt auf den Landkreis selbst durchführt und danach über das weitere Vorgehen beraten werden soll.

 

Der Antrag auf Förderung der Fokusberatung ist Ende Juli 2019 positiv beschieden worden, so dass nunmehr mit der Fokusberatung begonnen werden kann. Der Förderzeitraum ist von Oktober 2019 bis Mitte 2021 angesetzt und beinhaltet neben einer Feststellung des Status quo auch die Umsetzung einer noch festzulegenden Klimaschutzmaßnahme.

 

Darüber hinaus werden bestehende Fördermöglichkeiten, soweit möglich und sinnvoll, schon jetzt genutzt.

So bietet die Wirtschaftsförderung des Landkreises Diepholz kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Kooperation mit der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN) seit einigen Jahren kostenfreie Impulsberatungen zu den Themen „Material- und Energieeffizienz“ und "Solar" an. Hierzu hat der Landkreis Kooperationsvereinbarungen mit der KEAN geschlossen.

Bei der Impulsberatung „Material- und Energieeffizienz“ wirft ein von der KEAN anerkannter Effizienzberater einen ganzheitlichen Blick auf das Unternehmen.
Betrachtet werden Prozessketten, Querschnittstechnologien, Materialeinsparung und -substitution, Anlagentechnik, Produktgestaltung, Logistik sowie die Arbeitsorganisation. Bei der Impulsberatung „Solar“ wird untersucht, ob Sonnenenergie (Photovoltaik bzw. Solarthermie) für den Betrieb geeignet ist und an welcher Stelle die Sonnenenergie optimal genutzt werden kann. 

Des Weiteren berät die Wirtschaftsförderung des Landkreises Diepholz im Rahmen der „Energieeffizienzoffensive“ Unternehmen über Fördermöglichkeiten des Landes, des Bundes sowie der Europäischen Union. Hierzu wurde eine Übersicht über Zuschuss- und Finanzierungsprogramme entwickelt.

Es ist angedacht, diese Impulsberatung Solar auch für einzelne Liegenschaften des Landkreises Diepholz zu beantragen.

 

Die Verwaltung schlägt daher vor, die Beratung bis Mitte 2020 zu vertagen. In der Zwischenzeit wird sich die Verwaltung umfassend mit den Mitgliedsgemeinden und ggf. auch mit der Metropolregion NordWest über deren Aktivitäten und deren Vorstellung einer Zusammenarbeit austauschen. Danach wird das Ergebnis im Kreisentwicklungsausschuss vorgestellt, um eine Entscheidung vorzubereiten, ob und wie die Schaffung einer Klimaschutz- und Energieagentur für den Landkreis sinnvoll und machbar ist.

 

 

 

 

 

 

 

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Anlage/n:


 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 2019-10-21 Antrag zur Foerderung der Wasserstofftechnik (68 KB)      
Anlage 2 2 2019-10-21 konzept aufbau energieagentur lk ver (202 KB)      
Anlage 3 3 2019-10-21 Wasserstoffstrategie Kuestenlaender (708 KB)      
Stammbaum:
VO/2019/179   Anträge der Freien Wählergemeinschaft Landkreis Diepholz: 1. Einrichtung einer Klimaschutz- und Energieagentur im Landkreis DH 2. Lokale und regionale Förderung der Umsetzung einiger Eckpunkte einer Norddeutschen Wasserstoff-Strategie   FD 16 - Büro des Landrats   Antrag
VO/2019/179-1   Anträge der Freien Wählergemeinschaft Landkreis Diepholz: 1. Lokale und regionale Förderung der Umsetzung einiger Eckpunkte einer Norddeutschen Wasserstoff-Strategie 2. Einrichtung einer Klimaschutz- und Energieagentur im Landkreis DH   FD 68 - Umweltkonzepte   Vorlage öffentlich