Vorlage - VO/2020/035  

Betreff: Vereinbarung über die Vernetzung der Leitstellen Diepholz und Verden
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage öffentlich
Unterzeichner/in:In Vertretung: gez. Kleine
Federführend:FD 38 - Bevölkerungsschutz   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit Vorberatung
05.03.2020 
Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit ungeändert beschlossen   
Kreisausschuss Entscheidung
Anlagen:
Entwurf der Vereinbarung  

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:

Dem Abschluss der „Vereinbarung über die Vernetzung der Leitstellen Diepholz und Verden“ wird zugestimmt.
 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Sachverhalt:

Die Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle Diepholz im Fachdienst Bevölkerungsschutz (FD 38) nimmt über den „Notruf 112“ Hilfeersuchen entgegen und veranlasst die notwendigen Einsatzmaßnahmen. Im Jahr 2019 wurden 28.972 Dispositionen im Rettungsdienst einschließlich des qualifizierten Krankentransports vorgenommen sowie 2.041 Feuerwehreinsätze bearbeitet. Hinzu kam eine Vielzahl an Einsätzen aus sonstigen Bereichen. Im Rahmen der Bearbeitung wurden u.a. rund 79.000 Telefonate sowie rund 115.000 Funkgespräche geführt. Dabei gibt es zwar einen deutlichen Arbeitsschwerpunkt in den Tagesstunden, aber die Nachfrage nach Hilfeleistungen besteht selbstverständlich rund um die Uhr und an allen Tagen des Jahres.

 

Daher ist die permanente Funktionsfähigkeit und dauerhafte Ausfallsicherheit (Redundanz) für die Arbeit der Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle Diepholz (Leitstelle) von herausragender Bedeutung. Diese soll im Rahmen einer technikbasierten Kooperation mit der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle Verden des Landkreises Verden deutlich gestärkt werden. Über die entsprechenden Vorbereitungen wurde wiederholt berichtet. Die wesentlichen Vorteile einer technikbasierten Zusammenarbeit sind:

 

  • Herstellung einer vollwertigen technischen Redundanz für beide Leitstellen bei möglichen Ausfallszenarien
  • Gegenseitige Unterstützung bei Spitzenbelastungen durch Übernahme von Notrufen
  • Beibehaltung der eigenen Leitstelle als Instrument der Führungsunterstützung
  • Synergieeffekte beim Personaleinsatz
  • Wirtschaftliche Vorteile

 

Das wichtigste Argument für eine technikbasierte Zusammenarbeit ist die Herstellung einer gegenseitigen, vollwertigen und relativ kostengünstigen technischen Redundanz für alle denkbaren Ausfallszenarien der Leitstellen. Eine technische Redundanz ist das mehrfache bzw. doppelte Vorhandensein funktional gleicher oder vergleichbarer technischer Ressourcen, wenn diese für den störungsfreien Normalbetrieb nicht benötigt werden.

 

Durch die Vernetzung können sich die beiden Leitstellen in vollem Umfang gegenseitig unterstützen und ggf. sogar ersetzen. Durch den Leitstellenverbund entsteht eine völlig neue Redundanzebene, da eine Leitstelle bei dem Ausfall der anderen Leitstelle die Aufgaben der jeweils anderen bei Bedarf sofort, also innerhalb einer Sekunde, teilweise oder ganz übernehmen kann.

 

Im Regelbetrieb stehen zukünftig in beiden Leitstellen allen Einsatzbearbeitern (Disponenten) ständig alle Ressourcen (Anrufgruppen, Funkkreise, Kurzwahlen, Telefonbuch) für beide Landkreise zur Verfügung. Technisch gesehen entsteht quasi eine gemeinsame Leitstelle, bei der jedoch zwei vernetzte Notrufannahmesysteme bestehen bleiben. Im täglichen Betrieb bedeutet dies, dass ein eingehender Notruf in der anderen Leitstelle angenommen werden kann, falls er in der eigentlichen Zielleitstelle nicht rechtzeitig angenommen wird.

 

Um die technikbasierte Vernetzung zu ermöglichen, wurden bereits etliche Maßnahmen ergriffen. In beiden Leitstellen wird als Software die neueste Version des Einsatzleitprogramms Celios der Firma CKS eingesetzt, was für die Zusammenarbeit von elementarer Bedeutung ist. Die Alarm- und Ausrückeordnungen für den Rettungsdienst und die Feuerwehren wurden grundsätzlich abgestimmt, um in beiden Landkreisen die Einsatzkräfte mit den gleichen Stichworten wie z.B. „Feuer1“ zu alarmieren. Die notwendigen sicheren Datenleitungen sind unter Einbindung der „Autorisierten Stelle Digitalfunk Niedersachsen“ (ASDN) in Vorbereitung. Ferner wurde die digitale Alarmierung in beiden Landkreisen zeitgleich und abgestimmt ausgeschrieben und so umgesetzt, dass eine Alarmierung aller Einsatzkräfte in beiden Landkreisen sowohl von der Leitstelle Diepholz als auch von der Leitstelle Verden möglich ist. Zudem werden alle wesentlichen technischen und taktischen Maßnahmen bereits jetzt und auch in der Zukunft abgestimmt, was insbesondere auch für die mögliche Einführung neuer zusätzlicher technischer Systeme gilt.

 

Die Landkreise Diepholz und Verden betreiben somit auf der Grundlage des Niedersächsischen Gesetzes über die kommunale Zusammenarbeit (NKomZG) zukünftig einen virtuellen Leitstellenverbund, wobei jedoch beide Leitstellen ausdrücklich als organisatorisch selbständige Leitstellen erhalten bleiben. Die technische, organisatorische und dienstplanmäßige Zusammenarbeit der Leitstellen wird einvernehmlich geregelt. Die Koordinierung der Zusammenarbeit liegt bei den jeweils für die Leitstelle zuständigen Organisationseinheiten. Die Leitstellenleiter werden in einer paritätisch, nach Bedarf besetzten Arbeitsgruppe kontinuierlich, jedoch mind. zweimal jährlich, die wesentlichen Fragen der Zusammenarbeit klären.

 

Die Umsetzung der Vernetzung kann voraussichtlich bis zum Jahresende 2020 erfolgen. Die Vereinbarung sieht bis zur Inbetriebnahme vorsichtshalber eine Frist bis zum 31.03.2021 vor.

 

Wichtige Punkte zu möglichen Haftungsfragen bei theoretisch denkbaren Schadensfällen wurden im Vorfeld unter Einbeziehung des jeweiligen Justiziariats grundsätzlich geregelt. Eine Kündigung der Vereinbarung ist mit einer der Aufgabe angemessenen Kündigungsfrist von zwölf Monaten möglich.

 

Eine eventuelle Ausweitung des virtuellen Leitstellenverbunds wäre grundsätzlich möglich, wenn dies einvernehmlich beschlossen würde.


 

Der zwischen den Verwaltungen abgestimmte Entwurf der Vereinbarung über die „Vernetzung der Leitstellen Diepholz und Verden“ ist dieser Sitzungsvorlage als Anlage beigefügt.


 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Anlage/n:

Anlage
Entwurf der Vereinbarung
 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Entwurf der Vereinbarung (83 KB)