Vorlage - 30/2005  

Betreff: Weiterentwicklung von Altenhilfestrukturen im Landkreis Diepholz
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage öffentlich
Unterzeichner/in:Verwaltung
Federführend:FD 50 - Soziales   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Jugend, Gesundheit und Soziales
02.03.2005 
12. Sitzung 2005 (12. Sitzung VII.) Ausschuss für Jugend, Gesundheit und Soziales (offen)   
Kreisausschuss
Kreistag
11.04.2005 
18. Sitzung 2005 (18. Sitzung VII.) Kreistag (offen)   

1

Beschlussvorschlag:

1.    Zum Erreichen des strategischen Zieles und des dazu beschlossenen Handlungsschwerpunktes werden folgende Ziele beschlossen:

 

„Den Menschen wird im Alter ein selbstbestimmtes und selbstorganisiertes Leben und Wohnen ermöglicht“

 

Daraus abgeleitet werden die Ziele:

 

a)  „Der prognostizierte Anstieg der Heimkosten wird gedämpft“

 

b)  „Ambulante Versorgungsangebote werden gestärkt;

     Ehrenamtliche Tätigkeit, Vernetzung und Kooperation werden

     gefördert“

 

2.    Zur Erreichung dieser Ziele werden in den Jahren 2006 bis 2010 insgesamt 600.000 € bereitgestellt

 

3.    2005 wird gem. § 4 Niedersächsisches Pflegegesetz eine Pflegekonferenz gebildet.

 

 

Ausgangslage:

Sachverhalt:

Ausgangslage:

 

·        Die Zahl älterer Menschen (über 65 Jahre) im Landkreis Diepholz wird bis zum Jahr 2015 um 30,6% höher liegen als noch im Jahr 2001.

 

 

·        Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst bis 2015 um 45 %, wobei eine überproportionale Steigerung bei den 74- bis 84jährigen (58%) und den über 90jährigen (63%) zu erwarten ist.

 

 

·        Derzeit werden 69% aller Pflegebedürftigen in Niedersachsen ambulant versorgt. Nach Prognosen sinkt dieser Anteil bis 2015 auf knapp 65%.

 

 

·        Von den ambulant Versorgten werden zur Zeit 70% von Angehörigen, 30% von ambulanten Pflegediensten versorgt. Tendenzen zeigen, dass die Zahl derer, die von Angehörigen versorgt werden, sinkt.

 

 

·        Ausgehend vom Haushaltsjahr 2004 wird der Landkreis Diepholz im Bereich „Hilfe zur Pflege“

bis 2010                    bis 2015

- für die ambulante Versorgung                 1,048 Mio. €               3,715 Mio.€

- für die stationäre Versorgung                  4,748 Mio. €             16,011 Mio.€

also insgesamt                              5,796 Mio. €             19,726 Mio.€

 

     mehr gezahlt haben.

 

 

 

Wirkungsorientierte Weiterentwicklung von Altenhilfestrukturen

 

 

Individueller Lern- und Veränderungsprozess

 

Da gesetzliche kommunale Einfluss– und Steuerungsmechanismen nicht vorhanden sind, sieht sich der Landkreis Diepholz veranlasst, gemeinsam mit allen im Bereich der Altenhilfe bzw. Altenarbeit tätigen Akteuren einen umfassenden Reformprozess zur Weiterentwicklung von Altenhilfestrukturen durchzuführen.

Dabei soll kein abgeschlossenes Konzept auf den Landkreis Diepholz übertragen werden, sondern ein mit den Akteuren vor Ort individuell auf den Landkreis zugeschnittener Lern- und Veränderungsprozess gestaltet werden.

 

Der Landkreis Diepholz möchte neue Wege gehen, nicht nur um Heimunterbringungen zu vermeiden, sondern möglichst auch Pflegebedürftigkeit zu vermeiden!

 

 


Wirkungen

 

Die Kernidee der wirkungsorientierten Steuerung besteht darin, Wirkungen zum Maßstab von Entscheidungen zu machen. Unter Wirkungen werden hier am Menschen beobachtbare Effekte, wie Zustandsverbesserungen, Zustandsstabilisierungen oder Verlangsamung von Zustandsverschlechterungen verstanden. Eine angestrebte Wirkung könnte z.B. sein:

 

Älteren Menschen mit Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus ermöglichen, im Anschluss an den Aufenthalt möglichst wieder selbständig in den eigenen vier Wänden leben zu können.

 

Alle angestrebten Wirkungen müssen sich an den Zielen

 

·        „Den Menschen wird im Alter ein selbstbestimmtes und selbstorganisiertes

  Leben und Wohnen ermöglicht“

 

·        „Der prognostizierte Anstieg der Heimkosten wird gedämpft“

 

·        „Ambulante Versorgungsangebote werden gestärkt;

  Ehrenamtliche Tätigkeit, Vernetzung und Kooperation werden gefördert“

 

orientieren.

 

 

Zielgruppen bilden

Es werden Zielgruppen älterer Menschen ausgewählt, bei denen besonders viel für mehr Selbständigkeit getan werden kann und muss. Dies könnten z.B. sein „Allein lebende Ältere“ oder „Ältere Menschen mit pflegenden Angehörigen“ oder „Ältere Engagierte“. Wichtig bei der Auswahl ist die Prüfung, ob mit dieser Zielgruppe ein Beitrag zur Zielerreichung geleistet werden kann.

 

Für die jeweiligen Zielgruppen werden Wirkungsziele sowie Indikatoren entwickelt, mit denen die Erreichung der Wirkungsziele gemessen werden können.

 

 

Ideenwettbewerbe

 

Für jede Zielgruppe wird ein breit angelegter Ideenwettbewerb durchgeführt.

 

Schon jetzt beschäftigen sich viele ehrenamtliche Organisationen, große Teile der Bevölkerung, Vereine und Verbände mit dem Thema der immer älter werdenden Bevölkerung. Es gilt, diese Potenziale zu aktivieren. Benötigt werden kreative Ideen, mit denen neue Angebotsstrukturen geschaffen werden.

 

Aus den eingereichten Ideen werden diejenigen ausgewählt, mit denen die Ziele erreicht werden können, d.h. die Kosten gesenkt werden können.

Berücksichtigt wird bei der Auswahl auch die Übertragbarkeit der jeweiligen Ideen auf den gesamten Landkreis. Sofern eine Idee erfolgreich umgesetzt wurde, wird versucht, diese Maßnahme auch auf andere Regionen des Landkreises zu übertragen.


Der oder die ausgewählten Anbieter erhalten einen Zuschuss zur Umsetzung ihrer Idee, um den Start der Maßnahme zu erleichtern.

Das nachfolgende Beispiel verdeutlicht, wie ein solches Angebot aussehen könnte:

 

 

 

Denkbar wäre auch, dass kleinere Wirtschaftsunternehmen, wie z.B. Gaststätten oder Taxiunternehmen spezielle Angebote für ältere Menschen schaffen, um ihnen die Bewältigung des Alltags zu erleichtern.

 

Eine weitere Idee könnte es sein, ältere Menschen für verantwortungsvolle Aufgaben zu gewinnen, wie z.B. Betreuung von Kindern, Weitergabe von Erfahrung und Fachkompetenz, die durch jahrelange Tätigkeit im Beruf erworben wurde.

 


Anmerkung:

Das Thema „Beratung von Pflegebedürftigen und deren Angehörige“ wird in den Prozess einbezogen. Dabei werden sich die gerontopsychiatrischen Beratungsstellen einem nicht offenen Wettbewerb stellen. Einzelheiten werden mit den Trägern besprochen. In der Sitzung am 02.03.2005 erfolgt dazu ein mündlicher Bericht.

 

Koordinierung und Steuerung

 

Die Einbeziehung der in der Altenhilfe bzw. Altenarbeit tätigen Akteure erfolgt durch die

 

Bildung einer Pflegekonferenz.

 

Nach dem Niedersächsischen Pflegegesetz können Landkreise eine Pflegekonferenz bilden, um dort Fragen

1.      der pflegerischen Versorgung der Bevölkerung,

2.      der notwendigen pflegerischen Versorgungsstruktur,

3.      der Koordinierung von Leistungsangeboten

zu beraten. In Niedersachsen haben bisher z.B. die Landkreise Aurich und Emsland, die Region Hannover sowie die Stadt Braunschweig von dieser Regelung Gebrauch gemacht.

 

Beim Landkreis Diepholz wird die Pflegekonferenz eingesetzt, um den Reformprozess „Weiterentwicklung der Altenhilfestrukturen“ zu begleiten, aber auch um Kooperationen und Vernetzungen vorhandener und neuer Angebote zu fördern, evtl. regional gebildete Pflegenetzwerke zu koordinieren oder um Instrumente zur Qualitätssicherung und zum Kostencontrolling zu entwickeln.

 

Grundlage für die Arbeit der Pflegekonferenz wird eine Bestandsaufnahme und Prognose der Entwicklung der pflegerischen Versorgung im Landkreis Diepholz sein. Sie wird als erster Teil des vom Nieders. Pflegegesetz vorgeschriebenen Pflegeberichtes von der Stabsstelle Sozialplanung erstellt.

Der zweite Teil des Pflegeberichts beinhaltet Vorschläge zur Anpassung der vorhandenen Versorgungsstruktur an die notwendige Versorgungsstruktur. Dieser Teil wird – auch im Rahmen des Reformprozesses – gemeinsam mit der Pflegekonferenz erarbeitet.

 

 

Zeitplanung

 

2005:              - Bildung der Pflegekonferenz und Planung des Prozesses

 

2006:              - Start der ersten zwei Wettbewerbe

 

2007 – 2010:  Jeweils im September Start eines weiteren Wettbewerbs.

 

Nach 2 Jahren Laufzeit wird entschieden, ob und wie eine Maßnahme weitergeführt wird.

 

Sofern innerhalb der Laufzeit der Erfolg einer Maßnahme sichtbar wird, wird die Übertragung auf andere Regionen initiiert


 

Finanzielle Auswirkungen

 

 

Kosteneinsatz

Für die Weiterentwicklung der Altenhilfestrukturen sollen bis 2010

 

            1/8 der bis 2010 prognostizierten Mehrkosten der Hilfe zur Pflege für

            die stationäre Versorgung eingesetzt werden.

 

D.h.:    1/8 von 4,8 Mio. €            =       600.000 €

 

 

Verteilung der Mittel

Für jeden Ideenwettbewerb, also für jede Zielgruppe, werden  120.000 €

bereitgestellt.

 

Grundsätzlich soll

 

o       für den ersten Anbieter bzw. die ersten Anbieter die Hälfte des Betrages zur Verfügung stehen,

 

o       die andere Hälfte des Betrages wird für die Übertragung auf andere Regionen bereitgehalten.

 

Es ergibt sich somit folgende jährliche Verteilung der Mittel

 

 

Die Mittel für eine Übertragung in andere Regionen sollten bereit stehen, werden jedoch nur eingesetzt, wenn der Umsetzungsverlauf dies rechtfertigt. Das bedeutet:

 

Gelingt eine Übertragung auf andere Regionen nicht, werden insgesamt statt 600.000 € lediglich 360.000 € eingesetzt.


 

Erwartungen

 

Ohne Berücksichtigung aller Unwägbarkeiten, wie z.B.

 

o       Welche Angebote/Ideen werden eingebracht?

o       Wie werden die Angebote angenommen?

o       Wird es gelingen, die Angebote auf andere Regionen zu übertragen?

 

werden mit diesem Reformprozess folgende Erwartungen verbunden:

 

 

·        Bis 2010 werden weiterhin mindestens 69% der Pflegebedürftigen ambulant versorgt

 

·        Die prognostizierten Mehrkosten in der Hilfe zur Pflege

für stationäre Versorgung werden um die Hälfte reduziert                ~ 2,4 Mio. €

 

·        Die Kosten für eine ambulante Versorgung steigen um                    ~ 1,0 Mio. €

 

·        Nach Abzug des Kosteneinsatzes für die Ideenwettbewerbe

in Höhe von 0,6 Mio. € ist mit einer Ersparnis von                                ~ 0,8 Mio. €

zu rechnen

 

·        Es werden Angebote und Strukturen geschaffen, die einer Pflegebedürftigkeit entgegenwirken sowie Heimunterbringungen vermeiden.

 

·        Gute Ideen und Beispiele fördern und bewirken Nachahmungsprozesse, die auch langfristig Wirkungen zeigen.