Vorlage - 21/2009  

Betreff: Namensgebung für die Realschule Sulingen
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorlage öffentlich
Unterzeichner/in:Verwaltung
Federführend:FD 40 - Bildung   
Beratungsfolge:
Kreisausschuss
Kreistag
15.06.2009 
15. Sitzung 2009 (37. Sitzung VII.) Kreistag (offen)   
Anlagen:

Die Realschule Sulingen erhält gemäß § 107 Niedersächsisches Schulgesetz ab sofort den Namen „Carl-Prüter-Schule“

Beschlussvorschlag:

Die Realschule Sulingen erhält gemäß § 107 Niedersächsisches Schulgesetz ab sofort den Namen „Carl-Prüter-Schule“.

 

§ 107 Niedersächsisches Schulgesetz sieht vor, dass der Schulträger ein Initiativrecht zur Namensgebung der Schule hat

Sachverhalt:

§ 107 Niedersächsisches Schulgesetz sieht vor, dass der Schulträger ein Initiativrecht zur Namensgebung der Schule hat. Es ist geregelt, dass der Schulträger im Einvernehmen mit der Schule dieser einen Namen geben kann. Dieses Initiativrecht steht auch der Schule zu. Die Realschule Sulingen hat dem entsprechend einen eigenen Vorschlag durch einen Beschluss des Schulvorstandes erarbeitet. Danach soll die Realschule Sulingen ab sofort den Namen tragen:

 

„Carl-Prüter-Schule“.

 

Die Schule begründet dies wie folgt:

 

„Nach einer ersten Überlegung im Jahre 2000 kam es (noch) nicht zu einer Mehr­heit in den schulischen Entscheidungsgremien für eine Namensgebung. Damals waren als Namensgeber Franz Alt und Gudrun Pausewang im Gespräch, auch der Name Carl Prüter wurde diskutiert. Mit ausschlaggebend für das Verfehlen einer Mehrheit war die damals noch nicht klar erkennbare Ausrichtung des Schul­pro­fils. Einerseits gab es große Unterstützung für den Gedanken, die Schule nach Franz Alt als einem Verfechter für den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien zu benennen, andererseits war die Gruppe der Unterstützer für einen Namensge­ber aus dem Bereich sozial und multikulturell engagierter Persönlichkeiten so groß, dass es zu keiner eindeutigen Entscheidung kam. Hinzu kam, dass bei noch lebenden Personen immer ein gewisses "Risiko" vorhanden ist, ob ihr zukünftiges Wirken mit den Zielen der Schule übereinstimmen wird.

 

Mit der Umstrukturierung der Schullandschaft im Sulinger Land sind die Überle­gun­gen zur Namensgebung wieder in Gang gekommen. Uns ist bewusst gewor­den, dass die Schule mit der Verkleinerung des Schulbezirks auch bei der Namensge­bung den Fokus stärker auf die Stadt Sulingen richten sollte. Sicherlich hat auch die Namensgebung der Schule in Barnstorf (Christian-Hülsmeyer-Schu­le) mit zu diesem Umdenken beigetragen.

Da sich das Engagement der Realschule in den Bereichen Toleranz und Zivilcou­rage und den Einsatz für Recht und Freiheit eher verstärkt hat, gab es bei der ak­tuell geführten Diskussion nun eine eindeutige Mehrheit ohne Gegenstimme für Carl Prüter als Namensgeber. Wir sehen dabei das Lebenswerk dieses Menschen unter den folgenden aufgelisteten Gesichtspunkten:

 

Carl Prüter ein Vorbild für Toleranz und Zivilcourage, er zeigte soziales Engage­ment für Menschen in Not, er hatte politischen Gestaltungswillen und besaß Re­spekt vor den Menschen. Er hat sich für Wahrheit, Recht und Freiheit eingesetzt, war überzeugter Demokrat und leistete Widerstand gegen nationalsozialistische Unterdrückung.

 

Sein Name soll PROGRAMM werden für unsere Schule, eine Schule ohne Rassis­mus. Bereits durchgeführte Aktionstage und Projekte, die bereits über Jahr­zehnte hinweg wahrgenommene Pflege des Judenfriedhofs, die ergänzt wurde um die Pflege der Stolpersteine in unserer Stadt, spiegeln davon schon einen Teil. Das bereits existierende soziale Engagement durch Übernahme von Klassenpaten­schaf­ten soll künftig noch erweitert, ebenso ist geplant, Schülerinnen oder Schüler einmal jährlich mit einem Carl-Prüter-Preis für besonderen Einsatz und Zivilcou­rage auszuzeichnen.

 

Wir als Schule haben uns bewusst ausgesprochen für eine Person dieser Stadt. Wir sehen diese Entscheidung nicht unter parteipolitischen Gesichtspunkten sondern sehen die Würdigung der Gesamtpersönlichkeit als das entscheidende Kriterium. Wir haben eine Person ausgewählt, die sicherlich nicht den Bekanntheitsgrad anderer Persönlichkeiten hat, nach denen sich Schulen benennen. Dafür werden wir nicht eine von vielen "Albert-Einstein-" oder "Anne-Frank-"Schulen sein. Wir möchten mit dieser Namenswahl auch ein Bekenntnis dafür ablegen, dass wir uns als Schule der Region Sulingen sehen, die über Personen der jüngeren Zeitgeschichte verfügt, deren Andenken man bewahren und fördern sollte.“

 

Informationen zur Biografie Carl Prüters sind in der Anlage beigefügt.

 

Dem Vorschlag der Realschule Sulingen sollte entsprochen werden.

 


Carl Prüter - „das soziale Gewissen Sulingens“

Anlage zur DS 21/2009

 
 


1888    in Hamburg geboren

1923    Postschaffner in Sulingen

1926    übernimmt als aktives Mitglied der SPD den Vorsitz des Ortsvereins

1933    als einziges Mitglied der SPD in die Bürgerschaftsversammlung gewählt, bei der 1. Sitzung Ausschluss mit 10:1 Stimmen/Entzug des Mandats: Carl. Prüter hatte sich geweigert, in das Hoch auf Hitler als neuen Reichskanzler einzustimmen.

 

Verlust der Stelle als Postbeamter, da er sich geweigert hatte, aus der SPD auszutreten.

 

einige Wochen „Schutzhaft“

 

1944    Verhaftung infolge des Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944, 7 Wochen Haft im KZ Neuengamme/Hamburg

1945    trotz schlimmer Erfahrung wirf er niemandem seine nationalsozialistische Vergangenheit vor

1946    nach Genehmigung einer Neugründung der SPD Übernahme des Vorsitzes bis 1964

 

auf Vorschlag von Prüter Gründung eines Kreisverbands der AWO

Vorsitz im Ortsausschuss der AWO in Sulingen: „Prüter Carl hat Elend gesehen und geholfen“

 

„Wenn wir Prüter Carl nicht gehabt hätten, wäre es uns schlecht ergangen“ (Aussage einer Betroffenen, die als Flüchtling in Sulingen der Fürsorge bedurfte)

 

kommunalpolitisches Wirken als langjähriger Ratsherr, stellvertretender Bürgermeister und Kreistagsabgeordneter, stellvertretender Landrat

besonderer Einsatz in Sulingen im Sozialausschuss für Kindergarten, Feuerwehr und Sport

 

1956    Carl Prüter erhält das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

1965    gestorben in Sulingen, seiner Wahlheimat

 

            Abschied von Carl Prüter mit Würdigung seiner Arbeit

 

Zitate aus der Sulinger Kreiszeitung „Abschied von Carl Prüter“

- Seine Arbeit galt immer den Menschen

- Sie galt auch der Freiheit

- Nicht immer ein bequemer Mensch

- Feste Vorstellungen und Ziele, der Menschheit zu dienen

- Respekt erzwang er sich nicht mit Ellbogen, sondern durch friedliche Arbeit

- Überzeugter Demokrat

- Hingabe für soziale Gerechtigkeit

- Unermüdlicher Kämpfer für Wahrheit und Recht

- Einsatz für die Armen und seine Hilfsbereitschaft sichern ihm ein stetes Andenken

- Toleranz, Hilfsbereitschaft und Treue waren für ihn keine leeren Begriffe

- Konsequent den sozialen Weg gegangen

 

„Ihr könnt das Wort verbieten,

Ihr tötet nicht den Geist,

der über Euren Lügen

wie ein stolzer Adler kreist.“

(Carl Prüter)

 

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  Nr. Name