Mehr als 70 Pflege- und Pateneltern sowie Familiäre Bereitschaftspflegen des Landkreises Diepholz folgten am 8. November der Einladung der Pflegekinderhilfe zur diesjährigen Fortbildungsveranstaltung im Hildegard-von-Bingen-Gymnasium in Twistringen. Der Fachtag stand unter dem Titel „Umgang mit Aggressionen von Pflegekindern“ und bot den Teilnehmenden praxisnahe Impulse, um Verhaltensweisen von Kindern besser zu verstehen und konstruktiv darauf zu reagieren.
„Pflegeeltern zu sein bedeutet, einem Kind ein Zuhause zu geben – und das ist weit mehr als nur ein Dach über dem Kopf“, so Anika Dreesmann, Fachkoordinatorin Adoption und Pflegekinderhilfe beim Landkreis Diepholz. „Es bedeutet, einem Kind Sicherheit, Halt und Zuneigung zu schenken. Es bedeutet, schwierige Momente auszuhalten, Wege gemeinsam zu gehen, auch wenn sie manchmal steinig sind.“
Im Mittelpunkt des Tages stand der Vortrag von Diplom-Psychologe Oliver Hardenberg, der die Teilnehmenden mit großer Fachkompetenz und Praxisnähe durch das Thema führte. Oliver Hardenberg ist approbierter Psychotherapeut für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, forensischer Psychologe und zertifizierter Supervisor. 1993 gründete er in Münster eine Fachpraxis für Psychotherapie und forensische Psychologie und rief 2018 das Institut für Adoptiv- und Pflegefamilien (IAP) ins Leben. Seit über 25 Jahren ist er als Fachreferent, Supervisor und Berater in der Jugendhilfe tätig, zudem Kurator der Stiftung zum Wohl des Pflegekindes in Holzminden und Autor mehrerer Fachbücher, darunter „Wir haben gute Gründe!“ und „Es gibt immer gute Gründe!“.
In seinem Vortrag und den anschließenden Diskussionen ging Oliver Hardenberg der Frage nach, wie Aggressionen von Pflegekindern verstanden und hilfreich beantwortet werden können. Dabei zeigte er auf, wie Pflegeeltern die unterschiedlichen Ursachen und Ausdrucksformen von Wut erkennen, deeskalierend reagieren und Kinder in ihrer Selbststeuerung unterstützen können. Sein Ansatz: Aggressionen als Signal zu verstehen und Wege zur „gekonnten Wut“ zu eröffnen – also zu einem respektvollen Umgang miteinander, in dem niemand verlieren muss.
Auch der Referent zog ein positives Fazit. „Ich habe sehr interessierte, offene und engagierte Pflegeeltern erlebt – wirklich lobenswert. Durch Angebote dieser Art unterstützen sich Pflegeeltern gegenseitig und geben sich untereinander Tipps. Zudem war die Veranstaltung sehr gut organisiert“, so Oliver Hardenberg.
Die Resonanz unter den Teilnehmenden war ebenfalls ausgesprochen positiv. Viele betonten, sie hätten „Handwerkszeug für den Pflegefamilienalltag bekommen“ und „wertvolle Tipps erhalten, zum Beispiel der Wut des Kindes unaufgeregt zu begegnen und den Fokus zu verändern“. Andere lobten die „sehr anschauliche und erfrischende Inhaltsvermittlung“ und betonten, sie hätten die „Bedeutung der Deeskalation erkannt“ oder „wüssten nun, dass sie vieles, was ihnen vom Pflegekind in seiner Wut gesagt wird, nicht persönlich nehmen dürfen“. Eine Teilnehmerin brachte es auf den Punkt: „Sehr interessant – hätte ich gerne schon früher gehört.“ Auch das Fazit vieler anderer lautete: „Sehr praxisnah und mit guten Konfliktlösungsansätzen.“
Neben dem fachlichen Input bot die Veranstaltung reichlich Gelegenheit zum Austausch. In den Pausen und in der abschließenden Fragerunde nutzten viele Teilnehmende die Möglichkeit, eigene Erfahrungen einzubringen und praktische Anregungen mitzunehmen.
„Wir freuen uns sehr über die große Resonanz und den offenen Austausch“, resümiert Anika Dreesmann. „Solche Tage zeigen, wie stark das Engagement unserer Pflege- und Pateneltern ist – und wie wichtig es ist, sie mit Wissen, Vernetzung und Unterstützung zu begleiten.“






